Stichworte

Abteilung 4 - Die Funde von Qumran
Die Schriftrollen vom Toten Meer

Die Entdeckung der 1. Höhle nach oben

1947 entdeckte ein Beduine, der seiner entlaufenen Ziege nacheilte, eine Höhle bei Qumran am Nord-West-Ufer des Toten Meeres (Tafel 1). Er fand mehrere 65 cm hohe Tonkrüge, in denen insgesamt sieben uralte Schriftrollen versteckt lagen (Kopien der Tonkrüge in Originalgröße ausgestellt).

größer Diese Art des Lagerns von Schriftrollen geht auf ein Gebot Gottes in Jeremia 32,14 zurück: "... Nimm diese Urkunden, die versiegelten und die offenen, und lege sie in ein Tongefäß, damit sie lange erhalten bleiben". Auch hier stimmt die Bibel: Die Schriftrollen haben fast 2000 Jahre in den Krügen überdauert! größer
Vier der Schriftrollen kaufte der syrische Bischof Athanasius den Beduinen ab (Tafel: Der Bischof und seine Rollen siehe auch Foto links).
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Die anderen drei konnte Prof. Eleazer Sukenik für die Hebräische Universität erwerben. 1954 kaufte der Staat Israel dem Bischof für 250 Tausend US Dollar (= 1 Mill. DM) die vier Rollen ab. Für sie wurde in Jerusalem ein eigenes Museum erbaut, der "Schrein des Buches". Das Museumsgebäude besteht aus der überdimensionalen Nachbildung eines Tonkrugdeckels.
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Das Rollenmuseum in Jerusalem –
Der "Schrein des Buches"

 

Die Jesajarolle vom Toten Meer
1Q jes a (Faksimile) nach oben

größer Bei genauer Untersuchung der antiken Texte stellte man fest, dass eine Rolle den kompletten Bibeltext (hebräisch) des Propheten Jesaja auf fast 7,5 Meter Länge enthält. Ausgestellt ist eine 100% farbgenaue Reproduktion dieser berühmten Jesaja-Rolle. Zwei radioaktive Untersuchungen 1991 u. 1994 haben eindeutig bewiesen, dass diese Rolle aus dem 2. Jahrhundert vor Chr. stammt. Sie ist damit um weit über 1000 Jahre älter (!), als alle bisher erhaltenen kompletten hebräischen Bibelabschriften.

Bevor der Text veröffentlicht worden war, schrieben die Zeitungen: "Jetzt wird sich zeigen, dass die Bibel schlecht überliefert ist" - "Jetzt wird die Grundlage des Christentums erschüttert". Als aber die Jesajarolle veröffentlicht wurde, stellte sich heraus, dass der Text hervorragend genau überliefert worden ist. Ein Vergleich der Qumranrolle mit den mittelalterlichen Handschriften zeigt, dass es einige unbedeutende Textschwankungen gibt, wie z.B. in Jesaja 45,2. In der Lutherübersetzung heißt es: "Ich will vor DIR hergehen und die HÖCKER eben machen..." - in der Jesaja-Rolle steht: "Ich will vor EUCH hergehen und die BERGE eben machen...". Euch statt dir - Berge statt Höcker. Sprachvarianten, die Sinn oder Inhalt des Texte nicht ernsthaft tangieren (siehe auch Tafel 3). Dazu der deutsche Qumranwissenschaftler Prof. H. Stegemann (Uni Göttingen): "Die Funde vom Toten Meer stellen den jüdischen Abschreibern ein Berufszeugnis aus, wie es vorzüglicher nicht sein könnte".

Die Jesajarolle vom Toten Meer ist die älteste Abschrift eines kompletten Bibelbuches auf hebräisch!

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Gibt es einen geheimen Bibelcode? nach oben

Wenn man die einzelnen Buchstaben genau vergleicht, stellt man fest, dass es über 6000 Abweichungen gibt. Sie betreffen meist den Gebrauch von sog. Vokalbuchstaben, bzw. die Rechtschreibung. Man kann sich dies im Deutschen an dem Wort "Foto" verdeutlichen. Man kann es als "Photo" aber auch als "Foto" schreiben. Solche Unterschiede finden sich in grosser Zahl in der Jesaja-Rolle. Diese orthographischen Abweichungen widerlegen alle Theorien über geheime, versteckte Botschaften in der Bibel. Durch die Qumrantexte lässt sich wissenschaftlich zeigen: Es gibt keinen Bibelcode! Die orthographischen Unterschiede bedingen eine unterschiedliche Buchstabenanzahl des Alten Testaments je nach Handschrift. Bei einem Code muss man aber einen statischen, unveränderbaren Text haben, sonst bricht der vermeintliche Code zusammen. Daher sind alle Codetheorien unhaltbar. Dies haben jetzt der deutsche Qumranforscher Dr. Uwe Gleßmer und Alexander Schick, der Leiter dieser Ausstellung, in ihrem Buch "Auf der Suche nach der Urbibel" in allgemeinverständlicher Weise nachgewiesen.

 

Die Funde aus Höhle 4Q nach oben

Angespornt von ihrem wertvollen Fund, durchsuchten die Beduinen systematisch hunderte von Höhlen in der judäischen Wüste. Bis 1956 entdeckten sie in insgesamt 11 Höhlen die Reste von fast 900 Schriftrollen. Der größte Fund gelang ihnen dabei 1952 in der sog. Höhle 4, nur einen Steinwurf entfernt von der Qumranruine. In dieser Höhle alleine lagen 600 (!!) Schriftrollen - aber NICHT eine einzige war komplett erhalten. Sie alle waren zerfallen zu über 35.000 Bruchstücken (Fragmenten). Die Beduinen verkauften die Schnipsel für viel Geld an die Jordanische Altertumsverwaltung. Der Preis für einen briefmarkengroßen Schriftfetzen:
60.-DM! (Tafel 6).
größer, Die Höhle 4Q vom Plateau der Qumranruine aus gesehen. Hier entdeckte man 1952 über 35.000 Fragmente – die Reste von über 600 Schriftrollen. 4Q=4.Höhle mit Textfunden.

 

Puzzlespiel als Forscherarbeit nach oben

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Um diese gigantische Menge an Rollenfragmenten zu sichten, zu ordnen und zu entziffern, wurde ein siebenköpfiges Gelehrtenteam ins damalige (jordanische) Ost-Jerusalem geholt (Tafel 7). Insgesamt wurden in den Höhlen ca. 80.000(!) Fragmente entdeckt, die zu 15.000 zusammenhängenden Teilen rekonstruiert werden konnten. Eine enorme Forscherleistung. Noch heute wird an diesen Funden gearbeitet. Seit 1967 wird die gesammte Forschungsarbeit von der Israelischen Antikenverwaltung überwacht und von Prof. Emanuel Tov von der Hebräischen Universität geleitet.
Vorsichtig werden zwei Qumranfragmente zusammengefügt. Das grösste Problem dieses Puzzles: 80% der Puzzleteile fehlen!
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Die Bedeutung der Bibelrollen von Qumran nach oben

Unter den 900 Rollen(resten) hat man Abschriften aller alttestamentlichen Bibelbücher gefunden (bis auf Esther). Diese Bibeltexte sind über 1000 Jahre älter, als die mittelalterlichen Handschriften! Die ältesten Qumranschriften stammen vom 2. Buch Mose und dem Propheten Samuel - ca. 250 v. Chr.!

Die Qumranfunde haben daher eine enorm große Bedeutung für die Erforschung des Alten Testaments. Dazu Prof. H. Stegemann: "Bislang wurden einzelne Werke der hebräischen Bibel - nämlich einige Prophetenbücher und insbesondere der Psalter - gelegentlich noch als erst im 2. oder gar 1. Jahrhundert vor Chr. fertiggestellt betrachtet. Jetzt gibt es aber erstmals Handschriften mit dem gleichen Text wie in der Biblia Hebraica, die eindeutig älter sind als solch späte Daten. Sie erfordern ein Umdenken in der alttestamentlichen Einleitungswissenschaft, die sich mit dem Entstehungsprozeß der biblischen Bücher befaßt."

 

Es gibt keine"Verschlußsache Jesus!" nach oben

Die in dem Buch "Verschlußsache Jesus" aufgestellte These einer Vatikanverschwörung, die die Herausgabe der Rollen verhindere, ist nachweislich eine bewusste Irreführung des Lesers! Das Buch gehört in den Bereich der literaischen Schundmärchen. Es sind alle Fragmente auf Mikrofilm oder CD-Rom (biblische Qumrantexte und nichtbiblische Qumrantexte) jedem zugänglich. Sogar ins Deutsche sind die Texte bereits komplett übersetzt worden. Insgesamt gibt es bis heute nur 11 mehr oder minder komplette Schriftrollen, die schon alle seit Jahrzehnten veröffentlicht sind. Der Rest besteht nur aus z.T. sehr kleinen Fragmenten. Geheiminformationen über Jesus oder das Urchristentum enthalten diese Texte nun wirklich nicht. Die hebräischen Schriftrollen stammen aus dem 3. - 1. Jahrhundert vor Chr. und können daher gar keine Informationen über Jesus oder Paulus enthalten. Der Vatikan hat zu keinem Zeitpunkt etwas mit den Qumranrollen zu tun gehabt. Zuständig für deren Veröffentlichung ist seit 1967 alleine die Israelische Antikenverwaltung .

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Wem gehörten die Qumranrollen? nach oben

Die Schriftrollen bildeten einst die Bibliothek einer sehr strengen jüdischen Religonsgruppe, der ESSENER. Der jüdische Historiker Flavius Josephus (37 - 100 n. Chr.) schildert die Essener neben den Sadduzäern und Pharisäern als dritte religiöse Gruppierung des antiken Judentums. Ihre Anfänge reichen bis in die Makkabäerzeit (2. Jahrhundert v. Chr.) zurück. Die Essener protestierten dagegen, dass unter den Makkabäern der König zugleich das Amt des Hohenpriesters inne hatte. Deshalb lehnten sie den Dienst im Tempel ab. An Stelle der 'abtrünnigen' Jerusalemer Kultgemeinde wollten die Essener das 'wahre' Israel darstellen. Die Essener lebten in Armut, teilten den Ertrag ihrer Arbeit, legten allergrößten Wert auf die kultische Reinheit und forschten in den Heiligen Schriften im Hinblick auf das 'Ende der Tage'. In Auslegung und Einhaltung des Gesetzes waren sie noch rigoroser als die gesetzesstrengen Pharisäer.

Link "Ein Tag in Qumran - wie das Leben dort war":
http://www.rrz.uni-hamburg.de/fb01AT/ug/Q_Broshi_NOTHOS.html

Modell von Qumran (1:100) nach oben

größer Die etwa 4000 Essener (im Vergleich: die Pharisäer hatten 6000 Mitglieder) lebten verstreut im Heiligen Land. Sie schufen sich ihren Mittelpunkt in Qumran, wo ca. 150 Männer nach besonders strengen Regeln lebten. Unter den Schriftrollen fand man ihre Gemeinderegel, die schon bei kleinsten Vergehen strengste Strafen vorsah. 68 n. Chr. ist Qumran von der 10. römischen Legion zerstört worden. Zwischen 1951 und 1956 wurde Qumran unter Leitung von Prof. Roland de Vaux ausgegraben.  größer
Dabei entdeckte man das Skriptorium (Schreibsaal), mit Schreibbänken und Tischen. Die Sensation stellten noch völlig intakte Tintenfässer dar. In einem befand sich sogar noch getrocknete Tinte. Die chemische Analyse ergab: Absolut identisch mit der Tinte von einigen der Schriftrollen aus den umliegenden Höhlen. Kein Zweifel - hier in Qumran wurden viele der Schriftrollen vom Toten Meer geschrieben. größer größer

 

Kampf dem Zerfall nach oben

Fast 2000 Jahre haben die Rollen in der heißen Gegend am Toten Meer überdauert. Um diese einzigartigen Funde zu erhalten, werden z. Zt. die Qumranrollen bzw. deren fragmentarischen Reste besonders aufwendig präpariert. In enger Zusammenarbeit mit der Israelischen Altertumsverwaltung zeigt Ihnen die Ausstellung die neuesten Fotos von den schwierigen Konservierungsarbeiten in den Labors des Rockefelller-Museums.

Jesus und Qumran nach oben

mehr Infos

Buchtipp

Die Schriftrollen vom Toten Meer sind in ihrer Bedeutung einzigartig. Einmal liegen uns durch die Qumranrollen die ältesten Bibelhandschriften der Welt vor. Zum anderen haben wir durch die Qumrantexte erstmalig Dokumente aus der zwischentestamentlichen Zeit vorliegen, die neue Erkenntnisse über das Judentum zur Zeit Jesu bringen. Von ihnen her fällt auf etliche Stellen des Neuen Testaments ein neues Licht, das zeigt, dass die Evangelien historisch korrekt überliefert sind (siehe das Buch "Faszination Qumran" von A. Schick). Jesus Christus hat nie in Qumran gelebt und er war auch kein Essener. Nur ein Punkt sei hier zur Illustration angeführt. Den Essenern war es verboten, am Sabbat einen Ochsen aus einer Grube zu holen, in die er hineingefallen war. Die Einhaltung des Feiertagsgebots stand bei ihnen an oberster Stelle. Noch nicht einmal die Notdurft durfte am Sabbat verrichtet werden. Vergleichen Sie dazu Jesu Wort in Markus 2,27, "dass der Sabbat um des Menschen willen geschaffen sei und nicht der Mensch um des Sabbats willen"! Jesu Botschaft war neu und einzigartig - sie stand im völligen Gegensatz zum Denken der Essener. Dort in Qumran die Welt des Gesetzes und der Gesetzlichkeit, in ihrem Bemühen aus eigener Kraft Gott wohlgefällig zu werden, hier in Jesus Christus die Welt der frohen Botschaft mit seiner Verkündigung der Liebe des heiligen Gottes, für die er mit seinem Leben und Sterben selber einsteht.

weitere Büchertipps:

Video: Qumran und die Glaubwürdigkeit der Bibel

Fotos und Zeichnungen: (c) Qumran- & Bibelausstellung Sylt - dürfen nicht weiterverwendet werden
Texte: (c) Alexander Schick - Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
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