Stichworte

Abteilung 6 - Prachtbibeln des Mittelalters

Die Künstler in der Kutte nach oben

(Tafel 1)

Die Mönche haben in ihren Schreibstuben wahre Prachtwerke geschaffen und der Welt einmalige Handschriften hinterlassen. Diese unbezahlbaren Manuskripte liegen heute in den Schatzkammern und großen Museen der Welt. Sie sind zu kostbar, als dass sie der Öffentlichkeit zugänglich wären. Im Faksimile (lat. = ähnlich machen) können Sie u.a. folgende berühmte Handschriften sehen:

O beatissime lector, lava manus tuas et sic librum adprehende . . . klagt ein Mönch im 8. Jahrhundert über seine schwere Arbeit.

Zu Deutsch:
"O glücklichster Leser, wasche Deine Hände und fasse so das Buch an, drehe die Blätter sanft, halte die Finger weit ab von den Buchstaben. Der, der nicht weiß zu schreiben, glaubt nicht, dass dies eine Arbeit sei. O wie schwer ist das Schreiben: es trübt die Augen, quetscht die Nieren und bringt zugleich allen Gliedern Qual. Drei Finger schreiben, aber der ganze Körper leidet . . ."

 

Codex Argenteus nach oben

Gotenbischof Wulfila übersetzte um 350 n. Chr. die Bibel ins Gotische. Allerdings mußte er zuerst aus germanischen Runen und griechischen Buchstaben eine neue Schriftsprache schaffen. Es ist die erste germanische Schriftsprache überhaupt! Der Codex Argenteus (silberne Schrift auf Purpur – siehe Detailfoto unten aus Lukas 4) ist eine Prachtabschrift (Faksimile Nr. 3) der von Wulfila geschaffenen Übersetzung aus dem 5./6. Jahrhundert und wird heute in Uppsala (Schweden) aufbewahrt. Seine Übersetzung hat unsere Sprache mitgeformt. Wenn man das Vaterunser in Wulfilas Übersetzung auf Gotisch hört, kann man dies noch erahnen: "Atta unsar thu in himinam, weihnai namo thein . . . " größer

 

Wiener Genesis nach oben

ca. 525 n. Chr.

Von der ältesten Purpurhandschrift der Welt (griechisch) sind leider nur 24 Blätter erhalten. Sie werden seit 1664 in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt. größer

 

Codex Purpureus Rossanensis nach oben

um 550 n. Chr. (Faksimile Nr. 4)

größer Die Pergamentseiten wurden mit Purpur eingefärbt und der griechische Bibeltext mit silbener und goldener Tinte geschrieben. Bei den byzantinischen Miniaturmalereien handelt es sich um die ältesten ihrer Art zum Neuen Testament! 

 

Der Vulgatatext nach oben

Die offizielle Sprache in der westlichen Kirche wurde Latein, und so ist die Bibel im weströmischen Reich nur in der lateinischen Übersetzung abgeschrieben worden. Diese lat. Bibelübersetzung hatte der bekannte Kirchenvater Hieronymus im 4. Jhdt. n. Chr. in Bethlehem geschaffen. Seine Übersetzung wurde später der allein maßgebende Bibeltext der westlichen Kirche. Man bezeichnet ihn seit dem 16. Jahrhundert als Vulgata, d.h. den allgemein verbreiteten Text. Folgende Prachtbibeln haben den Vulgatatext: größer
Hieronymus nach einem alten Holzschnitt
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Quelle: Faksimile Verlag Luzern, www.faksimile.ch

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Book of Kells nach oben

800 n. Chr. - die Keltenbibel

Der Bibeltext ist z.T. mit oranger Tinte geschrieben worden. Diese einmalige Bibel gilt heute als der Staatsschatz Irlands.

Krönungsevangeliar der deutschen Kaiser und Könige nach oben

um 800 n. Chr.

Mit der Hand auf der ersten Seite des Johannesevangeliums legten die deutschen Kaiser und Könige ihren Krönungseid ab. Das Evangeliar wird heute in der Schatzkammer von Wien aufbewahrt (Tafel 5).

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DAS GOLDENE EVANGELIENBUCH VON ECHTERNACH nach oben

1030 n.Chr.

größer Im Benediktinerkloster Echternach (bei Trier) entstand diese verschwenderisch ausgestattete Luxushandschrift - die Perle der ottonischen Buchkunst. Den Namen hat das goldene Evangelienbuch auf Grund seiner Schrift. Der lateinische Text ist komplett aus Gold geschrieben. Mehr als 500 goldene Initialen dekorieren den Text. 46 Seiten enthalten prächtige ganzseitige Miniaturmalereien. Diese Luxushandschrift konnte sich nur ein Kaiser leisten!

Das Faksimile ist eine freundliche Leihgabe des Verlages Müller & Schindler Stuttgart, http.//www.muellerundschindler.de.
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Evangeliar Heinrichs des Löwen nach oben

Als die kostbarste Handschrift des 12. Jahrhunderts gilt das Evangeliar Heinrich des Löwen. 8 kg Gold wurden bei der Erstellung verwendet! Lange galt das Evangeliar als verschollen. Es war daher eine Weltsensation als 1983 das Auktionshaus Sotheby's mitteilte, daß die Prachthandschrift versteigert werden soll. Die Bundesrepublik Deutschland erhielt am 6.12.1983 mit 32,5 Millionen DM den Zuschlag. Die Handschrift wird heute in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel aufbewahrt. Es ist das teuerste Buch aller Zeiten!!

"Perlbibel" nach oben

13. Jahrhundert

In einer winzigen Schrift, so klein wie die Flußperlen (deshalb Perlbibel), wurde diese Bibel auf sehr dünnem Pergament geschrieben. Die ausgestellte Originalseite ist 750 Jahre alt. Die gesamte Bibel muß aus über 700 Blättern bestanden haben. Eine fast unfaßliche Schreibarbeit!! Wie bei allen Handschriften wurde das Pergament vorher liniert - man kann die gezogenen Linien noch schwach erkennen. Der Text ist Korrektur gelesen worden. In der linken Spalte - unteres Drittel - wurden zwei falsch geschriebene Wörter weggeschabt und neu geschrieben, hier ist die Tinte etwas dunkler! In der rechten Spalte wurde ein fehlender Vers in dem roten Kästchen nachgetragen. Welch eine Liebe und Sorgfalt gegenüber Gottes Wort! Diese kleine Bibel wurde um 1250 in einem Kloster in Nordfrankreich geschrieben.

Wenzelsbibel nach oben

(Faksimile Nr. 9)
größer Älteste deutsche Prachthandschrift der Bibel! 1389 für König Wenzel in Prag angefertigt. Es handelt sich um eine Bibel im Riesenformat. 

Grundlage des deutschen Textes ist die Rotlev-Bibel, eine qualitativ sehr hochstehende, deutsche Übersetzung des 14. Jhdts. Liegt heute in der Österreichischen Nationalbibliothek.

 

Armenbibeln nach oben

Bibila Pauperum - 13. Jh.

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Quelle: Faksimile Verlag Luzern, www.faksimile.ch

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Die Armenbibeln waren für die „Armen im Geiste„ gedacht, d.h. für die Mönche, Kleriker u. Laien, die kein Latein oder überhaupt nicht lesen konnten. In dieser Bilderbibel waren die wichtigsten Themen der Bibel in Kurzfassung.

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Um ein Bild aus dem Neuem Testament gruppieren sich jeweils zwei entsprechende „typologische„ Bilder aus dem Alten Testament.
Hier wurde bildlich veranschaulicht, wie das Neue Testament in Jesus Christus die Erfüllung des Alten Testaments ist.

In jeder Armenbibel findet sich neben dem Bild von der Auferstehung Jesu ein Bild von Jona3, wie er ins Wasser geworfen oder gerade von dem Wal ausgespien wird. Jonas Schicksal gilt als Hinweis auf Ostern, denn Jesus Christus hatte selbst über seine Auferstehung gesagt:
"... es wird den Menschen kein anderes Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. " (Matthäus 12, 39 + 40). Neben Jona ist als 2. Szene aus dem Alten Testament dargestellt, wie Simson die Stadttore um Mitternacht aus der Stadt Gaza heraustrug (Richter 16, 1-3). In der Erklärung heißt es dazu: "Simson bedeutet Christus, der sich um Mitternacht aus seinem Grabe erhob..."

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Volks- & Moralbibeln

Der mangelnden Bildung trugen auch sog. Volksbibeln oder Moralbibeln Rechnung. Der Bibeltext wurde durch viele Bilder erklärt.

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Erste Billigdrucke

Seit etwa 1400 wurden die Einzelblätter der Armenbibeln von geschnitzten Holztafeln gedruckt (Blockbücher). Sie waren damit billiger als die teuren Handschriften.

 

Schätze des Vatikans nach oben

BIBLIOTECA APOSTOLICA VATICANA

Die weltberühmte Vaticana umfaßt heute rund 72.000 wertvolle Handschriften, 7200 Inkunabeln und über eine Million gedruckte Bücher. Es handelt sich um eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt, doch ebenso um eine der exklusivsten, da sie bestimmungsgemäß ausschließlich der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung steht.

 

Bibel von Leo Patricius nach oben

1. Hälfte des 10. Jahrhunderts

auch Bibel der Königin Christine von Schweden genannt. Königin Christine hatte nach ihrer Abdankung in Rom gelebt und die bedeutendsten Handschriften in Byzanz (= Ost-Rom = Konstantinopel, heute Istanbul) aufkaufen lassen. Ihre Bibliothek wurde der Vaticana später geschenkt. Zu den schönsten Stücken ihrer Sammlung gehört diese Bibel aus dem 10. Jh. Bitte beachten Sie die Ausgestaltung dieser Bibel. Es handelt sich um wunderschöne byzantinische Buchmalereien zum Alten Testament. Die Sprache des oströmischen Reiches (Byzanz) war griechisch. In der Ostkirche benutzte man daher nicht den lateinischen Text (Vulgata), sondern überlieferte die Bibel auf Griechisch.

Urbino-Bibel nach oben

1476-1478

Hauptwerk der florentinischen Miniaturmalerei. Sie gilt als die schönste Bibel der Renaissance und wurde im Auftrag des Herzogs von Urbino geschaffen. Da diese Prachtbibel aus Italien stammt (westliche Kirche) haben wir hier wieder den lateinische Bibeltext vorliegen. Das große Bild zeigt den Einzug der Israeliten in Ägypten, also den Beginn des 2. Buches Mose. Der dazugehörige Bibeltext lautet: "HAEC SUNT NOMINA..." = "Dies sind die Namen der Söhne Israels, die mit Jakob nach Ägypten kamen; ein jeder kam mit seinem Hause: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Isachar, Sebulon, und Benjamin ..."

Seit Mose sind 3000 Jahre vergangen... nach oben

Seit Mose am Anfang der Ausstellung sind 3000 Jahre vergangen. Bisher sind alle Bibeln handschriftlich angefertigt worden. Eine Erfindung im 15. Jahrhundert sollte jedoch die Welt revolutionieren ...

Fotos und Zeichnungen: (c) Qumran- & Bibelausstellung Sylt - dürfen nicht weiterverwendet werden
Texte: (c) Alexander Schick - Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
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