Abteilung 7 - Die Erfindung des Buchdrucks
und die Bibelübersetzung Martin Luthers
Einführung
 Johannes Gutenberg (um 1397-1486) nach einem Kupferstich von 1584
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Um das Jahr 1440 kam Johannes Gutenberg auf den Gedanken, nicht mehr, wie bei den Blockbüchern, die Textseiten in ein Stück Holz zu schneiden, um damit Drucke herzustellen, sondern sie aus einzelnen beweglichen Lettern zusammenzusetzen (1). Damit war der Grundstein für den Buchdruck gelegt. Drucken konnte Gutenberg aber nur die schwarzen Lettern auf seiner Buchdruckpresse (2). Die Schautafel mit den Seiten aus dem Johannes-Evangelium zeigt links, wie Gutenberg druckte (nur die schwarzen Lettern) und rechts, wie die Bibel nach dem Illuminieren aussah. Die farbigen Initialen und Überschriften wurden von einem Rubrikator eingemalt (meist mit roter Farbe: lateinisch rubrica, daher auch die Bezeichnung "Rubrik" für eine Spalte in Zeitung oder Buch). Der Text ist in Latein (Vulgata). |
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Die Bibel, das erste gedruckte Buch der Welt, ist ein buch- und drucktechnisch nie überbotenes, einmaliges Meisterwerk, mit der die lange Entwicklung der Buchdruckerkunst eingeleitet wurde. Die Bibel steht an der Spitze der Druckwerke, auch in dieser Hinsicht ist sie das Buch der Bücher.
Sechs Schriftsetzer und zwölf Drucker sowie weiteres Hilfspersonal waren fast drei Jahre mit dem Druck der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel (jede Textseite hat 42 Zeilen) beschäftigt. Diese Bibel war für den normalen Bürger unbezahlbar. Ein Exemplar kostete 42 Gulden. Ein mittlerer Beamter, z.B. ein Schreiber, hätte vier Jahre seinen gesamten Lohn aufsparen müssen, um sich eine Gutenberg-Bibel leisten zu können.
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Der größte Teil der auf 200 Exemplare geschätzten Auflage ist in den vergangenen Jahrhunderten vernichtet worden. |
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Heute sind nur noch 49, teilweise fragmentarische Reste
bekannt, davon befinden sich einige in der Bundesrepublik (u.a. Mainz).
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1987 wurde eine Gutenberg-Bibel in New York für knapp 10 Millionen Mark nach Japan verkauft. Die russischen Behörden gaben 1994 bekannt, eine besonders prachtvoll illuminierte Gutenberg-Bibel als 'Kriegsbeute' aus Deutschland zu besitzen. In Rendsburg wurde 1996 ein grösseres Fragment dieser Bibel entdeckt. Ein Sammler aus den USA hat bereits 5 Mill. DM dafür geboten.
Gutenberg druckte später noch eine 36-zeilige Bibel - auch sie gehört zu den größten Raritäten - aber an die Schönheit der 42-zeiligen Bibel kommt sie nicht heran. |
Ein Exemplar der Gutenbergbibel jetzt digital
im Internet: http://www.gutenbergdigital.de/
Die deutschen Bibeln vor Luther 
(Tafel 4)
Die Erfindung Gutenbergs verbreitete sich rasch,
und bereits vor Martin Luthers Bibelübersetzung gab es
18 gedruckte deutsche Bibeln, davon 14 in hochdeutscher und 4 in niederdeutscher
Sprache (Tafel4)
Die älteste gedruckte deutsche Bibel, die Mentelin-Bibel, stammt
aus dem Jahr 1466. Ein ehemaliger Gehilfe Gutenbergs - Johannes Mentelin
- hatte sie nur 10 Jahre nach der Erfindung seines früheren Chefs in
Straßburg gedruckt. |
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| Ihr liegt eine etwas mehr als ungelenke deutsche Übersetzung
zugrunde, die hundert Jahre vorher entstanden war und in Handschriften kursierte.
Diese Übersetzung basierte allein auf dem lateinischen Bibeltext (Vulgata).
Die letzte vorlutherische Bibel erschien am 8. Juli 1522 in Halberstadt. |
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Zwei Monate später sollte auch Luthers Septembertestament
erscheinen und eine neue Ära des Bibeldrucks einleiten. So kam es,
dass durch die enorm große Nachfrage nach der Lutherübersetzung
von der Halberstädter Bibel nur wenige Exemplare verkauft wurden. Von
ihr sind heute nur noch 7 Exemplare erhalten. |
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Die vorlutherischen deutschen Bibelausgaben sind durch Luthers Übersetzungswerk
fast völlig in Vergessenheit geraten. Ausgestellt sind Originalseiten aus
diesen seltenen vorlutherischen deutschen Bibeln.
Grüninger-Bibel
10. vorlutherische Bibel - Straßburg
2. Mai 1485
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Alle Bibeln waren bisher in einem sehr großen Format gedruckt worden.
Die Grüninger-Bibel ist die erste gedruckte Bibel im Hand-Format,
was eine entsprechende Verkleinerung des Satzspiegels bei gleichzeitiger
Erhöhung der Seitenzahl zur Folge hatte. Wegen der Handlichkeit ihres
Formats wurde sie auf lange Zeit richtungsweisend für den Druck der
Familien- und Hausbibeln.
Das ausgestellte - über 500 Jahre alte - Originalblatt enthält:
"Das Euangelium Sancti Luce" mit dem Ende von Kapitel 4 und
dem Anfang des 5. Kapitels aus dem Lukasevangelium. Das 5. Kapitel handelt
von der Berufung und dem Fischzug des Petrus, der Heilung eines Aussätzigen
und eines Gichtbrüchigen, sowie der Berufung des Zöllners Levi
Matthäus. Auch dem Bibelleser vor über 500 Jahren wurden solche
"Kurzinformationen" zu Beginn der Kapitel gegeben. Es heißt
zu Beginn des 5. Kapitels: "Das V. Capit. Wye christus petrum, iacobum
un iohanem beruffet. Eynen aussetzigen reiniget. Einen gichtbrüchigen
gesund machet. Unnd matheum den offensunder vordert im nachzeuolgen."
Versuchen Sie doch einmal selber den Text zu lesen! Das Blatt ist im
Druckstock verrutscht oder auch von einem übermüdeten Drucker
schlecht eingelegt worden. Die Initialen, die von Hand nachzutragen gewesen
wären, fehlen hier!
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Verbot der Bibelübersetzung
Bis zum Beginn der Reformation wurden in Europa etwa rund 70.000 Bibeln gedruckt
und verbreitet. Hinzu kommen etwa 120.000 Psalter und fast 100.000 Neue Testamente
(überwiegend in lateinischer Sprache). So groß war der Hunger der
Menschen nach dem Wort Gottes!! Wieviel Mühe, wieviel Fleiß und wieviel
unermüdlicher Eifer stehen hinter diesen nüchternen Zahlen!!
Alle deutschen Bibeln sind aber unter Lebensgefahr gedruckt worden! Seit dem
Konzil von Toulouse 1229 gab es ein striktes päpstliches Verbot,
die Bibel oder Teile daraus in irgendwelche Landessprachen zu übersetzen.
Es war nur der Text der Vulgata geduldet.
BIBLIA DEUTSCH - die Bibelübersetzung Martin
Luthers
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Mit Martin Luther (1483-1546) und der Reformation begann eine neue Epoche
in der Geschichte der Bibel. War die Bibelauslegung bisher den Gelehrten
und vor allem dem Papst vorbehalten, so stellte Luther die Bibel in den
Mittelpunkt der christlichen Lehre und über das Urteil des Papstes.
Allein die Bibel ("sola scriptura") sollte die Richtschnur
für Glaubensfragen sein, denn sie ist das Zeugnis von Jesus Christus.
Durch Luthers öffentliches Wirken und seine ständige Berufung
auf die Bibel (am eindrucksvollsten auf dem Reichstag zu Worms 1521, wo
er den Widerruf seiner Lehren ablehnt, es sein denn, er werde durch die
Heilige Schrift eines Besseren belehrt) wurde das allgemeine Interesse
an der Bibel geweckt. Viele wollten nun die Bibel aus eigener Lektüre
in einer verständlichen Sprache selber kennenlernen.
Waren die vorlutherischen Bibeln ungelenke Übersetzungen aus dem
lateinischen Bibeltext, so benutzte Dr. Luther den hebräischen und
griechischen Grundtext.
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Nachdem
über Martin Luther die Reichsacht verhängt worden war, brachte
sein Landesherr ihn in Schutzhaft auf die Wartburg. Dort übersetzte
Luther, als 'Junker Jörg' verkleidet, das Neue Testament in kürzester
Zeit.
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Sein Übersetzungsprinzip lautete: "Man muß nicht die
Buchstaben in lateinischer Sprache fragen, wie man soll deutsch reden,
sondern man muß die Mutter im Hause, ... den gemeinen Mann auf dem
Markt drum fragen und danach dolmetschen, so verstehen sie es denn".
Während seines Zwangsaufenthalts auf der Wartburg übersetzte
Luther das Neue Testament in nur 11 Wochen. Eine unglaubliche Leistung!
Es erschien auf Luthers Wunsch hin ohne Verfassernamen im September 1522,
daher die Bezeichnung "Septembertestament". Schon im
Dezember waren die 3000 Stück der ersten Auflage trotz des hohen
Preises vergriffen. Es folgte die zweite revidierte Auflage im Dezember
(Dezembertestament), mit sprachlichen Verbesserungen an 576 Stellen.
Ein Beispiel solcher Textverbesserungen von Luther an seiner eigenen Übersetzung
des Psalms 23 ist auf Tafel 5 zu sehen.
Der Übersetzung des Neuen Testaments folgten ab 1523 nur Teilausgaben
des Alten Testaments, da sich die Übersetzung aus dem hebräischen
Urtext oft sehr schwierig gestaltete. Hatte Luther für das Neue Testament
nur 11 Wochen benötigt, so dauerten die Übersetzungsarbeiten
am Alten Testament insgesamt 13 Jahre! Luther wurde dabei besonders von
seinem Freund Philipp Melanchthon, Professor für hebräische
Sprache unterstützt. 1534 erschien bei Hans Luft in Wittenberg
die erste Gesamtausgabe aller biblischen Bücher in Luthers Übersetzung
als zweibändiges Werk. Die Übersetzung wurde von Luther und
seinen Mitarbeitern vor der Drucklegung noch einmal gründlich überarbeitet.
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Luther hat seine Übersetzung nie als vollkommen angesehen, sondern stets
versuchte er sie noch besser zu gestalten.
Zu Lebzeiten Luthers gab es noch keine Verseinteilung, sondern nur die Kapiteleinteilung,
die im 13. Jhdt. von Stephan Langton, dem Erzbischof von Canterburry, eingeführt
wurde. So heißt es bei Luthers Bibelstellenangaben z.B. nur: "Wie
bei Römer 3 geschrieben steht...".
| Erst 1551 wurde durch den französischen Buchdrucker
Robert Estienne, die Verseinteilung eingeführt. Eine der ersten deutschen
Bibeln mit Verseinteilung ist die durch Johann Feyerabendt zu Frankfurt
gedruckte Lutherbibel von 1589. Luthers Bibelübersetzung trat einen
Siegeszug ohnegleichen an und hat unsere deutsche Sprache tief geprägt.
Seine Bibel wurde über Jahrhunderte immer wieder nachgedruckt. |
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Jedem seine Bibel ... 
Der Pietismus leitete eine entscheidende Wende in der Geschichte der
Bibel ein. Sein Leitmotiv lautete: "Das Wort Gottes reichlicher unter
uns bringen". Der Theologieprofessor August Hermann Francke versuchte
mit einem preiswerten Bibeldruck die Verbreitung der Bibel zu fördern.
1709 wandte er sich an den Freiherrn von Canstein mit dem Plan, durch ein neues
Druckverfahren, dem sog. Stehsatz, eine Massenverbreitung der Bibel zu
Niedrigstpreisen zu erreichen.
Das Verfahren bestand darin, dass der Bleisatz nicht, wie bis dahin üblich,
nach dem Druck eines Bogens (d.h. heute in der Regel 16 Seiten) aufgelöst
und zum Satz und Druck des nächsten Bogens benutzt wurde. Stattdessen wurde
der Bleisatz auf einmal für die ganze Bibel erstellt und blieb dann stehen.
Bei einem Neudruck fielen nun keine Satzkosten mehr an, und die Bibel wurde
von Ausgabe zu Ausgabe billiger. Der Stehsatz erforderte jedoch ein sehr hohes
Startkapital, da zuerst der Bleisatz für die ganze Bibel gegossen werden
mußte und nicht nur für einen Bogen. Hier half Canstein, und es kam
1710 zur Gründung der Cansteinschen Bibelanstalt. Die erste Vollbibel
erschien 1717 und kostete nur 10 Groschen - soviel, wie seiner Zeit ein Paar
Damenschuhe. Von 1712-1812 verbreitete die Cansteinsche Bibelgesellschaft fast
eine Million Neue Testamente und zwei Millionen Vollbibeln. Hier spiegelt sich
das große Bedürfnis nach preiswerten Bibelausgaben bei der ärmeren
Bevölkerung wieder.
Ausgestellt ist eine im Stehsatz gedruckte Canstein-Bibel von 1758
Fotos und Zeichnungen:
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Texte: (c) Alexander Schick - Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
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