Kopfbild

Otmar-Bibel 1518

Augsburg

 

14. vorlutherischer deutscher Bibeldruck - sehr selten!

Silvan Otmar für Hans Rymann

gedruckt in Augsburg 1518

letzter oberdeutscher Bibeldruck vor Luther erschienen 27.1.1518

 

 

Die 14. und letzte oberdeutsche Bibelausgabe vor Luther  ist sehr selten. Gedruckt von Silvan Otmar (1481–1540) ist sie ist ein fast genauer Abdruck der 13. deutschen Bibel, die sein Vater Johann Otmar 1507 heraus gebracht hatte. Auch die schönen Holzschnitte entstammen dem 1507‘er Bibeldruck von Otmar sen. Mit Hilfe von Schablonen kolorierte man die Holzschnitte vermutlich noch in der Werkstatt serienmäßig. Silvan Otmar setzte diese Bibel zweispaltig in einer gut lesbaren Schwabachertype. Der Text stellt die Bearbeitung einer in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstandenen anonymen Übersetzung der Vulgata dar.

 

Dieser Druck beendet die oberdeutschen Bibeldrucke vor Martin Luther. Er war am 27.1.1518 erschienen.

 

Von den beiden Otmar-Bibeln sind nur noch sehr wenige Exemplare heute erhalten, obwohl sie einst weit verbreitet gewesen sein müssen. Woran liegt das? Entweder wurden diese "Hausbibeln" zerlesen oder sie verloren gegen die Bibelausgabe Luthers 1534.

 

Das Blatt links zeigt Psalm 1.

Rechts und unten: Holzschnitt aus dem Buch Esra. Der Holzschnitt zeigt eine Stadtansicht von Köln!: Man beachte den Kran bei dem unvollendeten Kölner Dom (Abgebildete Exemplar aus einer Privatsammlung).

 

 

Ein Vergleich der Otmar-Bibel 1507 mit der Luther-Bibel 1534 (1. Mose 37):

 

Otmar 1507

In der zeit gieng judas ab von sinen brüdern und keret ein zu aim man odolamiten mit namen hyram Unnd sahe da ain tochter ains menschen chananei mit name sue Unnd do er sy hett genomen zu ainem weibe. er gieng ein zu ir sy empfieng un gebar ainen sune. un er hieß seinen namen her. Anderwayd empfieng sy ain frucht. do der sune ward geboren. er nante ihn onan. Unnd sy gebar den dritte den nennet er sela. Do der was geboren sy höret auf fürbas zu geberen Aber iudas gab der her seynem erstgebornen sun ain weyb mit namen thamar. Un her der erstgeboren jude was ain schalck in dem angesichte des herren. Darumb ward er erschlagen von im.

 

Luther 1534

Es begab sich umb die selben zeit / das Juda hinab zog von seinen brüdern / und thet sich zu einem man Odollam / der hies Hira / Und Juda sahe daselbs eines Cananiters mans tochter der hies Sua / und nam sie. Und da er sie beschlieff / ward sie schwanger und gebar einen son / den hieß er / Jer. Und sie ward aber schwanger / und gebar einen son / den hieß sie Onan. Sie fur fort / und gebar einen son / den hies sie Sela. Und er war zu Chesib, da sie in gebar. Und Juda gab seinem ersten Sohn / Jer / ein weib / die hieß Thamar. / Aber er war böse fue dem HERrn / darumb tödtet in der HErr

 

 

Die Bibelausstellung von Alexander Schick zeigt Originalseiten aus dieser sehr seltenen Bibel

 

Titel:

Bibel teütsch || der erst || (ander ... ||)tail || (für all ander vorgeteütscht bibeln lautrer vnd clarer || nach rechtem ... gemainen teütsch ... gegen dem || lateinischñ text gerechtfertigt ... mit über|| schrifften bey dem maisten tail der capitel vnd psalm/ iren inn||halt vnd vrsach /anzaigende/vnd mit figurn die historien be||deütend ... ||)

 

Kolophon:

(Gedruckt vñ volendt in der kaiserlichñ stat Aug/||spurg durch Siluanũ Otmar/in verlegung vñ kosten || des ... Johañ Ryñman von [oe]ringen || ... Fünfftzehenhundert vnd || achtzehñ jar/auf den.XXVII. tag des Jenners.||)

 

Digitalausgabe der Universität Jena Band 1

Digitalausgabe der Universität Jena Band 2

 

In öffentlichen Bibliotheken sind laut VD 16 noch elf Exemplare der Ausgabe von 1518 nachweisbar! Hier fehlen allerdings die Ausgabe aus der Landesbibliothek Stuttgart, Hamburg, Goslar, Zürich (2 Expl.), Rottenburg und Strassburg. Ferner sind mindestens zwei Exemplare aus Privatsammlungen bekannt. Eine Gesamtausgabe wurde hier versteigert.

 

VD 16 B 2676; Bibelslg. Württ. LB E 57; Panzer, DA 888; Muther 972

https://kdih.badw.de/datenbank/druck/14/0/p