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Halberstädter-Bibel 1522

Die letzte vorlutherische Bibel

Biblia Germanica

Otmar-Bibel 1507

gedruckt von Johann Otmar

in Augsburg 1507

13. deutsche Bibel VOR Luther

Die vierte niederdeutsche Bibel. - STC 91. Adams B 1154. VD 16 B 2839. Borchling/Claussen 704. Darlow/Moule 4187. Muther 15. Eichenberger/Wendland 143-145 [Zitate 144]: "Die letzte vorlutherische, niederdeutsche Bibel ... Diese heute sehr seltene und weithin unbekannte Ausgabe ist in mancher Hinsicht bemerkenswert. Der Sohn des Nürnberger Druckers Georg Stuchs, Lorenz Stuchs, ging nach Halberstadt und stellte dort im Hause seines Geldgebers Ludwig Trudebul in den Jahren 1519 bis 1523 etwa zwanzig Drucke her. Von diesen ist die niederdeutsche Bibel der bedeutendste ... Lorenz Stuchs war in den Besitz der Holzstöcke aus der Kölner Bibel gekommen, die sich seit Kobergers Bibeldruck 1483 in Nürnberg befanden. 44 Jahre nach ihrem ersten Gebrauch verwendete Stuchs 112 der Kölner Holzschnitte noch einmal für seine Ausgabe, darunter drei, die bei Koberger nicht mitbenutzt worden waren ... Anstelle der nicht mehr verwendbaren Bilder nahm Stuchs einige neue, großformatige Holzschnitte auf, die zum Zyklus der Kölner Holzschnitte nicht passen."

 

https://www.venator-hanstein.de/katalog/detail/167/22704
 

Der Sohn des Nürnberger Druckers Georg Stuchs, Lorenz Stuchs stellte in Halberstadt im Haus seines Geldgebers Ludwig Trutebul von 1519 bis 1523 etwa 20 Drucke her. Seine 1522 erschienene niederdeutsche Bibel wurde zu einem wirtschaftlichen Fiasko, da Luther noch im gleichen Jahr in Wittenberg sein Neues Testament veröffentlichte. Gegen die hochdeutsche Konkurrenz hatte die niederdeutsche Fassung aus Halberstadt kaum eine Chance. Nur relativ wenige Exemplare konnten abgesetzt werde. - Das mag ein Grund sein, warum die Halberstädter Bibel zu den seltensten und am wenigsten bekannten vorlutherischen deutschen Bibeln gehört.
Über Geschäftsverbindungen zum Nürnberger Drucker Anton Koberger gelangte Lorenz Stuchs an die Druckstöcke der Kölner Bibel. Insgesamt verwendete Stuchs für die beiden Teile seiner Bibel 112 der Kölner Holzschnitte. Wenige Druckstöcke waren nicht mehr druckfähig oder verlorengegangen. Ergänzt hat Stuchs aus diesem Bestand drei bisher nicht verwendete Stöcke. Der Halberstädter Holzschneider Conrad Drake (monogr. CD) fertigte die Titelrahmen sowie die Wappen-Druckermarke, in den Illustrationen ergänzte er die Erschaffung Evas und den Sündenfall mit Vertreibung aus dem Paradies sowie den Holzschnitt mit Hieronymus im Gehäus, der jeweils wiederholt zum Beginn der Bücher erscheint.
Als Basis der Texte diente die Lübecker Bibel, das Psalterium stammt aus der Kölner Bibel. Große Teile des Alten Testaments sind selbständig erarbeitet, wobei vielfach die Sprachgewandtheit dieser Ausgabe hervorgehoben wird.://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/bibeln/bestand/besondere-stuecke/ulenberg-bibel-1630/
Die 13. vorlutherische Bibel wurde 1507 in Augsburg gedruckt von Johann Otmar. Sein Sohn Silvan (1481–1540) legte die Bibel erneut im Jahre 1518 auf.

 

Der Augsburger Drucker Johann Schönsberger hatte 1487 und 1490 zwei kleinformatige Bibeln mit verkleinerten Holzschnitten aus der Koberger-Bibel (9. vorlutherische Bibel von 1483) veröffentlicht. Johann Otmar kam in den Besitz dieser Holzschnitte und druckte 1507 seine Bibel, die man als die 13. vorlutherische Bibel zählt mit diesen Bildern.

 

1518 - also elf Jahre später - druckte sein Sohn Silvan Otmar die Bibel seines Vaters fast identisch nach. Von den beiden Otmar-Bibeln sind heute nur noch sehr wenige Exemplare erhalten, obwohl sie einst weit verbreitet gewesen sein müssen. Woran liegt das? Entweder wurden diese „Hausbibeln“ zerlesen oder sie verloren gegen die Bibelausgabe Luthers 1534.

 

Ein Vergleich der Otmar-Bibel 1507 mit der Luther-Bibel 1534 (1. Mose 37):

 

Otmar 1507

In der zeit gieng judas ab von sinen brüdern und keret ein zu aim man odolamiten mit namen hyram Unnd sahe da ain tochter ains menschen chananei mit name sue Unnd do er sy hett genomen zu ainem weibe. er gieng ein zu ir sy empfieng un gebar ainen sune. un er hieß seinen namen her. Anderwayd empfieng sy ain frucht. do der sune ward geboren. er nante ihn onan. Unnd sy gebar den dritte den nennet er sela. Do der was geboren sy höret auf fürbas zu geberen Aber iudas gab der her seynem erstgebornen sun ain weyb mit namen thamar. Un her der erstgeboren jude was ain schalck in dem angesichte des herren. Darumb ward er erschlagen von im.

 

Luther 1534

Es begab sich umb die selben zeit / das Juda hinab zog von seinen brüdern / und thet sich zu einem man Odollam / der hies Hira / Und Juda sahe daselbs eines Cananiters mans tochter der hies Sua / und nam sie. Und da er sie beschlieff / ward sie schwanger und gebar einen son / den hieß er / Jer. Und sie ward aber schwanger / und gebar einen son / den hieß sie Onan. Sie fur fort / und gebar einen son / den hies sie Sela. Und er war zu Chesib, da sie in gebar. Und Juda gab seinem ersten Sohn / Jer / ein weib / die hieß Thamar. / Aber er war böse fue dem HERrn / darumb tödtet in der HErr

 

 

Die Bibelausstellung von Alexander Schick zeigt Originalseiten aus dieser sehr seltenen Bibel