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Eggestein-Bibel vor 1470 - 2. vorlutherische Bibel und 10. Druck einer Bibelinkunabel

Straßburg

Das Foto zeigt die Eggestein-Bibel aus der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart. Rechte Spalte oben: Beginn von Psalm 1

 

 

 

Biblia Germanica

Eggestein-Bibel

1470

Straßburg

gedruckt von Heinrich Eggestein

2. vorlutherische deutsche Bibel

10. gedruckte Bibelinkunabel!

 

 

 

Heinrich Eggestein (1415/20-1488) gilt neben Johannes Mentelin als frühester Buchdrucker in Straßburg. Seine Eggestein-Bibel ist die zweite deutschsprachige Bibel vor Luther und der 10. Druck einer Bibel seit Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg.

 

Eggestein war einer der frühesten Buchdrucker außerhalb von Mainz. Er stand zeitweise in Kontakt mit Gutenberg und arbeitete in Straßburg in Konkurrenz und Kooperation mit Johannes Mentelin. Eggestein druckte Bibeln sowohl in Latein (ab 1466) als auch in der Landessprache.

 

Um den Absatz der Bibel zu fördern, druckte er eine werbende Bücheranzeige (GW 9245), die zusammen mit den beiden Bücheranzeigen Mentelins und Peter Schöffers zu den ältesten Drucken dieser Art gehört.

 

Da es sich um eine Inkunabel (einen Wiegendruck) handelt, orientierte sich das Layout stark an traditionellen Handschriften. Der Text wurde in zwei Spalten gedruckt. Große, farbige Anfangsbuchstaben (Initialen) und dekorative Blumenranken wurden nach dem Druck meist von Hand durch Illustratoren (Rubrikatoren) hinzugefügt

 

Sprachliche Besonderheiten:

Da die Eggestein-Bibel im Jahr 1470 – also rund 52 Jahre vor Luthers berühmtem Septembertestament – erschien, unterscheidet sie sich radikal von heutigen Bibeln:

  • Reine Übersetzung der Übersetzung: Der Text basiert nicht auf den hebräischen oder griechischen Urtexten. Er wurde Wort für Wort aus der lateinischen Übersetzung der Kirche (der Vulgata) ins Deutsche übertragen.
  • Mechanischer Schreibstil: Die Übersetzer hielten sich so strikt an den lateinischen Satzbau, dass die deutsche Grammatik oft völlig verdreht wurde. Ein berühmtes Beispiel für diese vorlutherische Übersetzungstradition ist der Gruß des Engels an Maria. Bei Luther heißt es flüssig: „Gegrüßet seist du, Holdselige!“ In den frühen Bibeln wie der von Eggestein liest man dagegen extrem hölzern: „Gegrüßet seist du, voll der Gnaden.“
  • Dialekt: Gedruckt wurde das Werk im oberdeutschen (alemannischen) Dialekt des Straßburger Raums. Für Menschen aus Norddeutschland war diese Bibel damals nur sehr schwer verständlich.

Die Produktion: Ein finanzieller Kraftakt

Heinrich Eggestein hatte das Handwerk vermutlich direkt in Mainz im Umfeld von Johannes Gutenberg gelernt. Der Druck einer solchen Bibel war damals ein enormes wirtschaftliches Risiko:

  • Umfang: Das Werk umfasst über 900 Seiten im monumentalen Folio-Format (große, schwere Buchseiten) und wurde in der Regel in zwei dicken Bänden gebunden.
  • Das Papier-Problem: Für eine einzige Bibelauflage wurden Unmengen an hochwertigem Papier benötigt. Eggestein kaufte dieses oft auf Kredit. Die Schulden für seine Druckerzeugnisse holten ihn später ein: 1480 wurde er von einem Basler Papierhändler wegen hoher Außenstände erfolgreich verklag
  • Eggesteins deutsche Bibel war im Grunde eine Raubkopie. Er übernahm den Text fast unverändert von der ersten deutschen Bibel, der Mentelin-Bibel  (1466). Allerdings verbesserte Eggestein das Layout: Er korrigierte einige offensichtliche Druckfehler seines Konkurrenten Johannes Mentelin und wählte ein klareres Schriftbild (eine sogenannte Gotico-Antiqua-Type), wodurch sich das Buch deutlich flüssiger lesen ließ als der Erstlingsdruck.

 

69 Exemplare/Fragmente sind in öffentlichen Einrichtungen vorhanden

 

Nachweise der Eggestein-Bibel im Gesamtkatalog der Wiegendrucke

 

Eine digitalisierte Versionen lässt sich --> HIER finden.

 

GW 4296. Goff B-625. HC 3129*. Stuttgarter Bibelkat., Dt. Bibeldrucke E-2 und E-3. ISTC ib00625000.
GW 04296