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Kölner-Bibel 1478/79

ein faszinierender Holzschnitt

Foto eines wnderschönen Exemplars der Kölner Bibel aus dem privaten Bibelmuseum in der Schweiz

 

Kölner Bibel 1478/1479

Gedruckt in Köln von Heinrich Quentel oder Bartholomäus von Unckel um 1478

 

 

In der Bibelausstellung von Alexander Schick wird ein aufwendig koloriertes Faksimile der Kölner Bibel gezeigt.

 

In dem obigen Holzschnitt ist Kölner Dom im Bau zu sehen, weil der Künstler ein zeitgenössisches „Lokalkolorit“ (Stadtkolorit) nutzte, um den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem darzustellen

 

Konkret betrifft dies die Illustration zu 1. Esra, Kapitel 6, in dem der persische König Darius den Weiterbau des jüdischen Tempels befiehlt.

 

Der Domkran als Detail: Auf dem Holzschnitt ist der unfertige Südturm des Doms mitsamt dem riesigen, hölzernen mittelalterlichen Baukran zu erkennen. Dieser Kran blieb über Jahrhunderte hinweg das Wahrzeichen der unfertigen Silhouette Kölns.

 

Die historischen und künstlerischen Hintergründe dafür sind wie folgt aufgeteilt:

  • Das Prinzip des Lokalkolorits: Im Spätmittelalter war es absolut üblich, biblische Geschichten visuell in die Lebenswelt der damaligen Leser zu verlegen. Anstatt eine historisch korrekte Kulisse des antiken Jerusalems zu erfinden (die niemandem bekannt war), zeichnete der anonyme Kölner Künstler einfach die größte und markanteste Baustelle, die er direkt vor Augen hatte: den unvollendeten Kölner Dom.
  • Verbreitung in anderen Bibeln: Dass dieses Motiv in verschiedenen vorlutherischen Bibeln auftaucht, liegt am geschäftstüchtigen Nürnberger Drucker Anton Koberger. Er kaufte die originalen Kölner Holzstöcke auf und verwendete sie 1483 für seine eigene, extrem weit verbreitete Koberger-Bibel. Dadurch fand die Kölner Kulisse ihren Weg in zahlreiche Haushalte im gesamten deutschsprachigen Raum – unter anderem taucht der Dom im Hintergrund dort sogar bei der Geschichte von Daniel in der Löwengrube auf.