2. Könige 22: König Josia wird das Gesetz vorgelesen.
Der fromme König Josia ist der Landesherr Luthers, Kurfürst Friedrich der Weise. Der vorlesende Hohepriester (biblisch: Schreiber Saphan) ist kein geringer als der Reformator Martin Luther selbst! So kam Luther in die Bibel direkt hinein.
Sammlung R. Gerber
Biblia Deutsch Martin Luther
Wittenberg 1576 - gedruckt von Hans Krafft d.Ä.
2. Auflage der wunderbar illustrierten Prachtbibel
Prachtbibel von Hans Krafft.
In 2. Könige 22, 1-11 wird von dem Fund des Gesetzbuches unter König Josia von Juda berichtet:
„Acht Jahre war Josia alt, als er König wurde, und er regierte 31 Jahre in Jerusalem; und der Name seiner Mutter war Jedida, die Tochter Adajas aus Bozkat. Und er tat, was recht war in den Augen des HERRN … Und es geschah im achtzehnten Jahr des Königs Josia, da sandte der König den Schreiber Schafan, den Sohn Azaljas, des Sohnes Meschullams, ins Haus des HERRN und sagte: Geh hinauf zum Hohen Priester Hilkija … Und der Hohe Priester Hilkija sagte zu Schafan, dem Schreiber: Ich habe im Haus des HERRN das Buch des Gesetzes gefunden. Und Hilkija gab das Buch dem Schafan, und der las es … Und Schafan las es dem König vor. Und es geschah, als der König die Worte des Buches des Gesetzes hörte, da zerriss er seine Kleider …“, als Zeichen der Buße. Die göttlichen Gesetzesvorschriften waren nie richtig befolgt worden und dies änderte sich nun unter König Josia.
Johann Teufel schuf seinen Holzschnitt in der schweren Zeit der Gegen-reformation, die mit dem Konzil von Trient 1545 bis Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 dauerte. Sie war die Antwort der katholischen Kirche auf die Reformation und zielte darauf ab, den Protestantismus zurückzudrängen und verlorene Gebiete zurückzugewinnen.
Für J. Teufel war die Auffindung des Gesetzbuches unter König Josia eine Parallele zu seiner eigenen Zeit, wo Luther durch die Übersetzung der Bibel, das Wort Gottes öffentlich machte und das wahre Christentum durch das Wirken des Reformators wiederhergestellt wurde. In seinem Holzschnitt sieht man in der Mitte auf dem Thron statt König Josia den Landesfürsten Luthers sitzen. Es ist Kurfürst Friedrich der Weise vor dem (links) Martin Luther steht in seinem typischen Lutherrock. Er liest sozusagen als der Hohepriester aus dem Gesetz (Lutherbibel) vor. In 2. Könige 22 wird allerdings berichtet, dass es der Schreiber Schafan war, der aus der Schriftrolle vorlas.
Luther und der Kurfürst sollen sich allerdings nie persönlich begegnet sein! Aber das störte J. Teufel wenig. „Josia hatte den Gottesdienst erneuert und gereinigt. Das konnte nicht anders gewesen sein als so, wie die Erneuerung des Glaubens durch den großen Reformator gekommen war. So empfand der Illustrator den alttestamentlichen Bericht von der Josianischen Reform" (P. Schmidt, Die Illustration der Lutherbibel, S. 295.).
So kam Martin Luther persönlich durch diesen und weitere Holzschnitte in das Alte Testament dieser Wittenberger Bibel. Für die Leser damals war es sofort ersichtlich, dass dies eine evangelische Bibelausgabe ist.
Zum historischen Hintergrund:
Trotz des fehlenden persönlichen Kontakts, schätzte der Kurfürst Luther als "Mann Gottes", der die Sache der Heiligen Schrift mit Nachdruck vertrat. Luther wiederum bezeichnete seinen Landesherrn nach dessen Tod als "einen weisen Fürsten", der den Frieden liebte. Es wird angenommen, dass sich beide höchstens auf dem Reichstag zu Worms 1521 flüchtig gesehen haben, als Luther dort vor dem Kaiser sprach, jedoch ohne direkten Kontakt. Die Kommunikation zwischen beiden lief fast ausschließlich über Friedrichs Hofkaplan und Sekretär, Georg Spalatin. Friedrich der Weise schützte Luther zwar vor der Auslieferung an den Papst, hielt aber persönlich an katholischen Traditionen fest (z.B. seiner Reliquiensammlung). Die Rolle des Vermittlers war entscheidend, da Friedrich als kluger Taktiker seinen Untertanen Luther schützen wollte, ohne sich als direkter Anhänger der Reformation angreifbar zu machen.