Zainer-Bibel 1475 - 3. vorlutherische deutsche BibelAugsburg![]() Das Foto zeigt die Zainer-Bibel aus der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart
Biblia Germanica Zainer-Bibel 1475 oder auch schon 1474 Augsburg
3. vorlutherische deutsche Bibel
Günther Zainer, auch Zeyner oder Zeiner († 13. April 1478), gilt als erster Drucker der Inkunabelzeit in Augsburg, wo er von 1468 bis zu seinem Tod wirkte; aus seiner Offizin stammten mindestens 80 Drucke, darunter auch zwei deutsche Bibelausgaben.
Um 1474/75 druckte Zainer seine erste deutsche Bibelausgabe, der er 1477 eine zweite Auflage folgen ließ. Der Druck gilt als die 3. – manche sagen auch 4. – und der Druck von 1477 die 6. deutsche Bibel vor Luther. Der Text dieser Ausgaben wurde für die folgenden deutschen Bibeldrucke bis zur Lutherbibel maßgeblich.
Die Zainer-Bibel ist die erste illustrierte Bibel der Druckgeschichte und zugleich die dritte deutsche Bibel vor Luther.
Wie alle vorlutherischen Bibeln ist die Zainer-Bibel eine Übersetzung aus der lateinischen Vulgata. Der Text ist gründlich anhand der Vulgata überarbeitet und korrigiert worden. Zudem wurde eine Anpassung an die Gebildetensprache der damaligen Zeit vorgenommen. Im Kolophon heisst es: "Diß durchleüchtigost werck der ganczen heyligen geschrifft, genandt die Bibel für all ander vorgedrucket teütsch biblen, lauterer, klärer, vnnd warer..."
Weltweit sind heute 101 Exemplare/ Fragmente in öffentlichen Sammlungen bekannt.
Von den 14 vorlutherischen Bibeln in deutscher Sprache sind neun in Augsburg (1475 (2) / 1477 / 1480 / 1487 / 1490 / 1507 / 1518) gedruckt worden!
Besitznachweis Inkunabelseite British Library
Gesamtkatalog der Wiegendrucke
Die Bibelausstellug von Alexander Schick zeigt einige Originalblätter aus dieser frühen vorlutherischen Bibel
Digitale Ausgabe Band 1 Digitale Ausgabe Band 2
Priorität hatte lange die um 1475/76 erschienene Bibel des Augsburger Verlegers Jodocus Pflanzmann. Nachweislich schenkte Zainer jedoch bereits 1474 ein Exemplar seiner Ausgabe an die Karthause Buxheim, wodurch eine Vordatierung möglich wurde (vgl. BMC a.a.O., Marginalie im Reprint). Diese wird durch neuere Untersuchungen von Eichenberger/Wendland, Schmid u.a. bestätigt. "Es mag sein, daß der Augsburger Prokurator, Notar und Fürsprech am geistlichen Gericht, Jodocus Pflanzmann, der auch verlegerisch tätig war, von den Vorbereitungen erfuhr und in aller Eile eine eigene Bibel-Ausgabe mit Illustrationen veranstaltete, die der Bibel Zainers zuvorkommen und Konkurrenz machen sollte. Seine Edition galt lange Zeit als die dritte gedruckte und erste illustrierte deutsche Bibel. Dieser Rang gebührt aber wohl Zainers Werk, das durch Initialschmuck und Textbearbeitung eine eigene und geschlossene Leistung darstellt" (Reinitzer). Im Format die größte der vorlutherischen Bibelausgaben. Bemerkenswert die sorgfältig komponierten und ausgeführten Bild- und Maiblumeninitialen. "Die großen Holzschnittinitalen von 70 Stöcken stehen stilistisch Zainers 'Belial' und 'Plenarium' nahe, sind aber wohl einem eigenen Illustrator zuzuschreiben" (v. Arnim). Eine weitere drucktechnische Errungenschaft in unserer Bibel ist die Einführung von gedruckten roten Kapitelüberschriften und Initialen, die die Tätigkeit des Rubrikators für die Fertigstellung einer Inkunabel seither weitgehend ersetzte. Wie stets mit dem auf dünnerem Papier gedruckten und nur spaltenbreiten Kartonblatt nach Bl. 185, enthaltend das Manassegebet.
Hain 3133; GW 4298; BMC II, 323; Goff B-627; Schramm II, 19 & 24; v. Arnim, Bibl. O. Schäfer 50; Bibelslg. Württ. LB E7-10; Reinitzer, Biblia Deutsch Nr. 41.
Sehr gute Untersuchung zur Zainer-Bibel
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