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Zainer-Bibel um 1477 - 6. vorlutherische deutsche Bibel

Augsburg

Das Foto zeigt die Zainer-Bibel aus der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart

 

 

 

Biblia Germanica

Zainer-Bibel

1477 Augsburg

 

6. vorlutherische deutsche Bibel

 

 

 

Günther Zainer, hatte um 1474/75 seine erste deutsche Bibelausgabe in Augsburg herausgebracht. Die BIbel hat sich so schnell verkauft, dass er zwei Jahre später (1477) eine 2. Auflage druckte.

 

Die Ausgabe von 1477 war Zainers letztes großes datiertes Werk vor seinem Tod im Jahr 1478. Sie stand in direkter Konkurrenz zur im selben Jahr ebenfalls in Augsburg gedruckten Sorg-Bibel, deren Bilder stark an Zainers Initialenzyklus angelehnt waren

 

Von den 14 vorlutherischen Bibeln in deutscher Sprache sind neun in Augsburg (1475 (2) / 1477 / 1480 / 1487 / 1490 / 1507 / 1518) gedruckt worden!

 

Besitznachweis Inkunabelseite British Library

 

Gesamtkatalog der Wiegendrucke

 

Die Bibelausstellug von Alexander Schick zeigt einige Originalblätter aus dieser frühen vorlutherischen Bibel

 


"Unter allen vorlutherischen Bibeln hat sie das größte Format. Aber ihre Monumentalität dankt sie nicht allein ihrer achtunggebietenden Größe, sondern der typographischen und illustrativen Gestaltung. Durch die großen Bildinitialen wurde die Zainer-Bibel die erste illustrierte Bibel, denn im Gegensatz zur gleichzeitigen Pflanzmann-Bibel liegt hier ein durchgehend verwirklichtes Illustrationskonzept vor. Von den insgesamt 73 Bildinitialen illustrieren 45 direkt biblische Szenen, 24 zeigen Autorenbilder und Briefübergabe-Szenen (insbesondere im Neuen Testament), je eine Initiale zeigen Gottvater als Schöpfer und Hieronymus Diß durchleüchtigost werck der ganczen heyligen geschrifft, genandt die Bibel für all ander vorgedrucket teütsch biblen, lauterer, klärer, vnnd warer... (Kolophon). Augsburg, (Günther Zainer, nicht nach 1474.) und Paulinus im Gespräch" (Eichenberger/Wendland).

 

Digitale Ausgabe Band 1

Digitale Ausgabe Band 2

 

aus Katalog Reiss & Sohn

Priorität hatte lange die um 1475/76 erschienene Bibel des Augsburger Verlegers Jodocus Pflanzmann. Nachweislich schenkte Zainer jedoch bereits 1474 ein Exemplar seiner Ausgabe an die Karthause Buxheim, wodurch eine Vordatierung möglich wurde (vgl. BMC a.a.O., Marginalie im Reprint). Diese wird durch neuere Untersuchungen von Eichenberger/Wendland, Schmid u.a. bestätigt. "Es mag sein, daß der Augsburger Prokurator, Notar und Fürsprech am geistlichen Gericht, Jodocus Pflanzmann, der auch verlegerisch tätig war, von den Vorbereitungen erfuhr und in aller Eile eine eigene Bibel-Ausgabe mit Illustrationen veranstaltete, die der Bibel Zainers zuvorkommen und Konkurrenz machen sollte. Seine Edition galt lange Zeit als die dritte gedruckte und erste illustrierte deutsche Bibel. Dieser Rang gebührt aber wohl Zainers Werk, das durch Initialschmuck und Textbearbeitung eine eigene und geschlossene Leistung darstellt" (Reinitzer). Im Format die größte der vorlutherischen Bibelausgaben. Bemerkenswert die sorgfältig komponierten und ausgeführten Bild- und Maiblumeninitialen. "Die großen Holzschnittinitalen von 70 Stöcken stehen stilistisch Zainers 'Belial' und 'Plenarium' nahe, sind aber wohl einem eigenen Illustrator zuzuschreiben" (v. Arnim). Eine weitere drucktechnische Errungenschaft in unserer Bibel ist die Einführung von gedruckten roten Kapitelüberschriften und Initialen, die die Tätigkeit des Rubrikators für die Fertigstellung einer Inkunabel seither weitgehend ersetzte. Wie stets mit dem auf dünnerem Papier gedruckten und nur spaltenbreiten Kartonblatt nach Bl. 185, enthaltend das Manassegebet.

 

Folgender Text zum Teil entnommen aus dem Katalog: "Gottes Wort in der Sprache des Volkes", Katalog der gemeinsamen Ausstellung  der Bibliothek der Stiftung Staatl. Görres-Gymnasium Koblenz, der Stadtbibliothek Koblenz, der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier und des Bistumsarchivs Trier, Trier, 2017, S. 26-27.

 

Zehn Jahre nach dem Erscheinen der Gutenberg-Bibel druckte Johann Mentelin, ein früherer Mitarbeiter Gutenbergs, 1466 in Straßburg zum ersten Mal die Bibel in deutscher Sprache und schuf damit zugleich die erste gedruckte Bibel in einer Volkssprache (Mentelin-Bibel).

 

Der Name des Druckers sowie das Jahr und der Ort der Herstellung sind im Buch nicht genannt und konnten nur aus äußeren Zeugnissen erschlossen werden. Als Vorlage verwendete Mentelin eine sprachlich veraltete Übersetzung, die etwa hundert Jahre zuvor im Nürnberger Raum entstanden war. Dieser Erstausgabe folgten bis 1518 dreizehn weitere deutsche Bibeldrucke im oberdeutschen Idiom, deren Text nach und nach sprachlich modernisiert und verbessert wurde. Sie wer-den in einer festen Reihenfolge gezählt. Die dritte (nach anderen vierte) in dieser Reihe ist das Werk von Günther Zainer in Augsburg.

 

Augsburg ragt als Druckort nicht nur dadurch heraus, dass dort neun von den vierzehn vorlutherischen oberdeutschen Vollbibeln entstanden sind, sondern nimmt auch insofern eine Ausnahmestellung ein, als in dieser Stadt der Druck volkssprachiger Werke gegenüber lateinischen überwog. Günther Zainer (vor 1443–1478), der bei Mentelin in Straßburg sein Handwerk gelernt hatte, brachte 1468 mit den „Meditationes vitae Christi“ den ersten Augsburger Druck überhaupt heraus, womit Augsburg die fünfte deutsche Stadt wurde, in der Bücher gedruckt wurden. Der Text der Bibel wurde, wahrscheinlich von Zainer selbst, gegenüber den beiden vorausgehenden Straßburger Drucken gründlich überarbeitet, worauf das Kolophon (die Schlussschrift) werbend hin-weist: Diß durchleuchtigost werck der gantzen heyligen geschrifft, genandt die Bibel für all ander vorgedrucket teutsch biblen, lauterer, klärer, vnnd warer, nach rechter gemeinen teutsch dann vorgedrucket, hat hie ein Ende.

 

  Innovativ war Zainer auch darin, dass er die mit roter Farbe hervorgehobenen Überschriften und Anfangsbuchstaben mitdruckte. Sie wurden sonst üblicherweise in einem eigenen Arbeitsgang in jedem einzelnen Exemplar von Hand nachgetragen.

 

Epochale Bedeutung hat seine Bibel vor allem als die erste Bibelausgabe, in der die Illustrationen drucktechnisch von Holzstöcken vervielfältigt wurden – nach dem Druck des Textes in einem eigenen Arbeitsgang, aber für alle Ex-emplare gleich. Die 73 Holzschnitt-Initialen akzentuieren den Anfang jedes biblischen Buchs; 45 enthalten Szenen aus dem jeweiligen Buch, die übrigen bieten Autorenportraits oder Briefübergabeszenen.

 

Die Initialen zu den vier Evangelien zeigen jeweils eine Kombination aus dem Bild des Evangelisten mit seiner Symbolfigur und einem für das Evangelium zentralen Thema: bei Matthäus die königlichen Vorfahren aus dem Stammbaum Jesu, mit denen das Evangelium beginnt; bei Markus die Auferstehung Jesu und Simson mit den Torflügeln von Gaza, dem da-zugehörigen alttestamentlichen Typos; bei Lukas drei Episoden aus dem Weihnachtsgeschehen; und bei Johannes eine Darstellung der Dreifaltigkeit mit Gottvater, Jesus und der Taube des heiligen Geistes.


   Zainers Bibel ist unter allen Aspekten von höchster Qualität. Das betrifft auch die Maiblumen-Initialen am Beginn der Vorreden zu den einzelnen Büchern und die beson-dere Drucktype, die Merkmale der gotischen Schrift und der modernen Antiqua mitein-ander verbindet. Schließlich ist die Ausge-wogenheit der Abmessungen des zweispal-tigen Satzspiegels zu nennen, wozu auch das außergewöhnlich großzügige Blattformat beiträgt.


 In einem zeitgenössischen Rheinreiseführer (Willibald Rheineck: Rheinreise von Mainz bis Düsseldorf, 2., verb. Aufl., Mainz 1826, S. 293f.) werden die Gemäldesammlung und die Bibliothek des Pfarrers Lang in seiner bescheidenen Wohnung in Neuendorf bei Koblenz als Sehenswürdigkeit be-handelt, die offenbar für auswärtige Besucher zugänglich war. Unter den Büchern wird unter anderem genannt: die erste deutsche Bibel, zwischen den Jahren 1460 und 1470 zu Augsburg in Regalfolio gedruckt. Dies kann sich nur auf die jetzt in der Koblenzer Stadtbibliothek befindliche Zainer-Bibel beziehen, auch wenn die Einordnung als erste deutsche Bibel nicht dem heutigen Kenntnisstand entspricht.

 

 

Hain 3133; GW 4298; BMC II, 323; Goff B-627; Schramm II, 19 & 24; v. Arnim, Bibl. O. Schäfer 50; Bibelslg. Württ. LB E7-10; Reinitzer, Biblia Deutsch Nr. 41.

 

Sehr gute Untersuchung zur Zainer-Bibel

 

         Ketterer & Kunst Auktion & Auktion Koller