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Luthers Kampf gegen das Neue Testament von Emser 1529

Brief Luthers an Herzog Heinrich V. von Mecklenburg vom 27. November 1529

Foto: Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern

 

Brief Martin Luthers vom 27.11.1529

an Herzog Heinrich V. von Mecklenburg

 

Luther bittet Herzog Heinrich, einen Druck des Neuen Testaments des Hieronymus Emser, der in Rostock vorgenommen werden soll, zu verhindern.

 

"Wiewol ich nuo des Emsers testament dem text nach wol leiden mag, als der fast gantz und gar mein text ist, und auch mir abgestolen ist[e] von wort zu wort. Aber seine gifftige zusetze, gloßen und annotation, aus seinem neydischen kopff mir zu verdries hinzu gethan, ..."

(Brief Martin Luthers vom 27. November 1529 / Zitat im Brief mit roten Pfeilen markiert).

 

Die vollständige Transkription von diesem Brief LHAS, 2.12-1/24 - Korrespondenz der Herzöge mit Gelehrten, Nr. 1 (Briefe von Martin Luther), Brief Nr. 2 - findet sich auf der Webseite des Landesarchivs Mecklenburg-Vorpommern und dazu diese interessanten Ausführungen:

 

"Emser war bereits 1527 gestorben, doch seine Ausgabe des Neuen Testaments erlebte zahlreiche weitere Auflagen. So sollte auch eine niederdeutsche Ausgabe ("in sächsischer Sprache") in der Druckerei der "Brüder vom Gemeinsamen Leben" in Rostock hergestellt werden. Diese "Brüder vom Gemeinsamen Leben" – Luther nannte sie mit einem zeitgenössisch abschätzigen Begriff "Lolbrüder" – waren eine klosterähnlich zusammen lebende Gemeinschaft von Geistlichen, die in Rostock vor allem dadurch bekannt wurden, dass sie die erste Druckerei Mecklenburgs – und nach Lübeck die zweitälteste in ganz Norddeutschland – betrieben und bereits 1476 das erste Buch gedruckt hatten. Das unter dem Namen "Michaeliskloster" bekannte, ehemalige Bruderhaus "zu St. Michael" befindet sich noch heute in der Rostocker Altbettelmönchstraße und beherbergt Teile der Universitätsbibliothek, u. a. deren Sondersammlungen mit einigen Drucken der Brüder.

 

Der Brief enthält die Warnung Luthers, der Satan würde Herzog Heinrichs "Gewissen rühren und beschweren", wenn dieser den Druck nicht verhindere, da es sonst so aussehen könne, als habe der Herzog den daraus entstehenden "großen Schaden der Seelen" selbst bewilligt. Davon ließ Herzog Heinrich sich anscheinend beeindrucken: Vom selben Tag, an dem er Luthers Brief erhielt, ist ein Schreiben Herzog Heinrichs überliefert, in dem er den Rat der Stadt Rostock auffordert, den Brüdern ernstlich zu befehlen, mit dem Druck aufzuhören. Daraufhin wandte sich der Rektor der Rostocker Brüder vom Gemeinsamen Leben an den anderen, in Mecklenburg regierenden und der Reformation eher feindlich gesinnten Herzog Albrecht VII., um eine Aufhebung des Druckverbots zu erwirken. Obwohl dies nicht gelang, fuhren die Brüder – jetzt heimlich – mit dem Druck fort, was jedoch bald ans Licht kam und dazu führte, dass der Drucker ins Gefängnis gesperrt und der Rektor unter Hausarrest gestellt wurde. Schließlich mussten die Brüder schwören, den Druck nicht fortzusetzen.

 

1878 – fast 400 Jahre später – wurden in der Rostocker Universitätsbibliothek Fragmente dieses Druckes in den Deckeln des Einbandes eines anderen Buches gefunden und bald darauf auch ein fast vollständig erhaltenes Exemplar in Stuttgart entdeckt. Die Brüder hatten wohl nur einige wenige Exemplare des fast fertigen Druckes für ihren eigenen Gebrauch gebunden, wovon eines auf unbekannten Wegen nach Stuttgart gelangte. Die restlichen bedruckten Bögen wurden an Buchbinder verkauft und bei der Herstellung von festen Einbanddeckeln für andere Bücher verwendet."

 

 

Das Fotos des Briefs wurde ebefalls der Webseite des Landesarchivs Mecklenburg-Vorpommern entnommen