Merian-Bibel Neues Testament1630![]() Foto: Pergamentexemplar der Bibelsammlung der der Württembergischen Landesbibliothek StuttgartMerian-BibelNeues TestamentStraßburg 1630
Zu den schönsten Bibeldrucken gehört die weltweit bekannte Merian-Bibel. Matthäus Merian der Ältere (1593-1650) hatte seine Radierungen in halbjährlich erscheinenden Quartheften in Frankfurt von 1625-1627 herausgebracht. Als Bilderklärung fügte er nur vierzeilige Gedichte in lateinischer, französischer und deutscher Sprache hinzu (siehe den Band „Icones Biblicae“ in dieser Ausstellung).
Diese großformatige Foliobibel hat Merian allerdings nie selber herausgebracht. Um 1628/29 hat Merian wohl aus Geldnot seine Kupferplatten an Lazarus Zetners Erben in Straßburg verkauft. Dieser brachte dann die heute so berühmte Merian-Bibel im Folioformat heraus, die Sie hier gerade als Faksimile bestaunen.
Der Text entspricht der letzten während Luthers Leben erschienenen Bibelausgabe von 1545. Die Bibel bestand einst aus drei Bänden. Zwei mit dem Text des Alten Testaments und ein Band das Neue Testament. Anscheinend wurde einige der Bibeln bereits in der Druckerei professionell koloriert. Doch nur ein koloriertes Exemplar des Neuen Testaments hat die Zeiten überdauert und liegt heute in der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart. Das Halb-Faksimile wurde nach diesem Traumexemplar 1:1 nachgebildet. (Siehe dazu das Ende der Seite)
Auktionskatalog Ketterer "Sie ist die gesuchte erste Vollbibel mit Merians Bibelbildern, sehr schön und opulent ausgestattet .. Unmittelbar nach oder gleichzeitig mit der letzten Ausgabe im Querformat veranstalteten Lazarus Zetzner Erben in Straßburg erstmals eine Folioausgabe der Bibelbilder Merians in Verbindung mit dem vollständigen Bibeltext Martin Luthers (1630). Erst von da an kann man von einer richtigen Merianbibel sprechen. Für mehr als 70 Jahre verschwinden dann die Platten, bis 1704 Merians Erben in Frankfurt eine, der großen Zetzner-Bibel von 1630 ähnliche, illustrierte Lutherbibel herausgeben. Sie wurden dazu wohl durch Kopierstiche des Holländers P. H. Schut, die B. C. Wursten 1703 in Frankfurt neu auflegte, veranlaßt. Welchen Weg die Platten von Zetzners Erben in Straßburg von 1630 von Merians Erben in Frankfurt 1704 genommen haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Ausgabe von 1704 bringt merklich schlechtere Abdrücke, was auf eine ziemlich starke Abnutzung der Platten schließen läßt." (Wüthrich)
Wüthrich III, 17 (Abb. 36-39) S. XIII und S. 4. - Bibelslg. Württ. Landesbibl. E 752. - Schmidt, Illustr. der Lutherbibel S. 304 (mit 23 Abb.). - Darlow/Moule 4217.
Da die Webseite nur noch über die Wayback Maschine zu finden ist, ist hier der Text wiederveröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Dr. Eberhard Zwink:
Im Jahr 1630 erschien in Straßburg bei dem Verleger Lazarus Zetzner eine groß angelegte Lutherbibel, in der zum ersten Mal die berühmten Kupferstiche von Matthäus Merian d. Ä. in den zweispaltig gesetzten Text eingefügt wurden. Merian hatte 1625 seine "Icones Biblicae" als Separatausgabe im Querformat herausgebracht. In den folgenden Jahren wurde die Zahl der Bilder erweitert, und zwar auf 157 Kupferstiche zum Alten und 77 Kupferstiche zum Neuen Testament. Hinzu kommen nun in dieser Folioausgabe drei eigene gestochene Titelblätter (Kupfertitel). Die Württembergische Landesbibliothek besitzt von dieser Erstausgabe zwei Exemplare: das erste ist in einem Band gebunden, auf mehreren Seiten sind an den Rändern biblische Figuren von Hand gezeichnet und koloriert worden. Weitaus wertvoller und interessanter ist das zweite Exemplar, das ursprünglich aus drei Pergamentbänden bestand, wovon der erste Band (1. Mose bis Hohes Lied) schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr auffindbar ist. Die Kupferstiche dieses verlorenen Bandes waren vermutlich genauso kunstvoll handkoloriert wie die des noch vorhandenen dritten Bandes, des Neuen Testaments.
Neben diesem Stuttgarter Exemplar gibt es nur noch zwei weitere handkolorierte Stücke: 1. eine Vollbibel in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main. Sie wurde mehrmals auf einfache Art reproduziert: Die Bibel : die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der dt. Übers. Martin Luthers. Mit den Kupferstichen von Matthaeus Merian. - Rev. Text [d.Ausg.] 1959-1964. - Wiesbaden : Panorama-Verl., 1983. - 433 909, 283 S. 2. Ein weiteres Exemplar befindet sich nach einer Berliner Auktion 1990 in in Privatbesitz. Von ihm kann nur die Fotografie des Titelblattes gezeigt werden.
Das Stuttgarter Exemplar
Wichtiger Hinweis zur Klarstellung des Verhältnisses der CORON EXCLUSIV AG zum Coron-Verlag: Die Faksimilierung im Jahr 1985 wurde vom Verlag Müller & Schindler in Stuttgart, im Auftrag vom damaligen Coron-Verlag in Lachen/Zürichsee vorgenommen. Hieraus ergaben sich ernsthafte Differenzen, die wie nachstehend beschrieben nachgelesen werden können. Die Faksimilierungsrechte gingen an den Kindler Verlag, Berlin über und sind inzwischen wieder beim Müller & Schindler Verlag und werden von diesem Verlag weiterhin wahrgenommen. Die CORON EXCLUSIV AG, welche die Buchpatenschaft für die Matthäus Merian Kupferbibel 1630 übernommen hat, steht oder stand mit dem damaligen Coron-Verlag in keinem wirtschaftlichen oder vertraglichen Verhältnis. Im Gegensatz zu dem Frankfurter und dem unbekannt verbliebenen Exemplar ist die Stuttgarter Merian-Bibel mit hellen, leuchtenden Pastellfarben ausgemalt, so dass der Charakter des Kupferstichs mit seinen durch feine Linien erzeugten Schattierungen ganz zurückgedrängt wird. Im Jahr 1985 hat der Verlag Müller und Schindler in Stuttgart im Auftrag des damaligen Coron-Verlages Zürich ein Faksimile vom dritten Band, also dem Neuen Testament, herstellen lassen, dessen Auflage ziemlich schnell verkauft war. Ohne Rücksprache mit der Württembergischen Landesbibliothek hat in den Folgejahren (mehrmals in den 90er Jahren, zuletzt mindestens 2001) der damalige Coron-Verlag weitere Auflagen hergestellt, was für Faksimile-Ausgaben unüblich ist. Dadurch wurde der Wert des einzelnen Faksimile-Exemplars beträchtlich vermindert. Nach Online-Recherchen waren am Stichtag 20. Januar 2012 vom Faksimile des Neuen Testaments (Original WLB Stuttgart) allein im deutschen Antiquariatshandel mindestens 55 Exemplare vorrätig, zu Preisen von € 119 bis € 909, zu einem Durchschnittspreis von € 327 bzw. zu einem Zentralwert von € 300. Teilweise wird der Begleitband von Stefan Strohm (s. u.) mitgeliefert; er ist im Antiquariat auch einzeln erhältlich. In den letzten Jahren haben mehrere Faksimile-Käufer den Kontakt mit der Württembergischen Landesbibliothek gesucht, um sich zu vergewissern, dass es sich bei der von ihnen gekauften Merian-Kupferbibel 1630 um die Faksimilierung der Stuttgarter Merian-Bibel handelt. Bei diesen Gesprächen hat der eine oder andere Faksimile-Käufer seinen Unmut über das Verkaufsgebaren, die die Preisgestaltung und über unhaltbare Aussagen einzelner Verkaufsvertreter zum Ausdruck gebracht. Das Original der Merian-Bibel wurde, als es zur Faksimilerung 1984 aus dem Hause gegeben werden musste, mit DEM 50.000 versichert! Es ist anscheinend vorgekommen, dass die Haustüragenten den potentiellen Käufern nicht einmal ein Exemplar zur Ansicht vorgelegt haben, sondern nur ein farbiges Blatt, mit der Begründung, die Bibel sei zu schwer. Die Leute würden sich um so mehr freuen, wenn dann die vollständige Bibel ins Haus komme.Nun verlautet von Käufern, dass sie nicht einmal den Werbeflyer hätten behalten dürfen! Es wurde wohl auch berichtet, dass die Lieferfrist lange hinausgezögert wurde, damit die Käufer keinerlei Rücktrittsmöglichkeiten mehr haben.Inzwischen haben einige Käufer auf gerichtlichem Wege die Auflösung des Kaufvertrages erstreiten können. Der Einführunsgtext aus der Werbung von "inmediaONE]" und die darin enthaltenen sachlichen Falschheiten werfen ein weiteres Licht auf die Seriosität des Unternehmens: Es heißt dort (Zugriff 28. Juni 2007): "Die Bibel zum Gegenstand der Faksimilierung zu machen ist naheliegend, gibt es doch kaum ein anderes Werk solch großer Bedeutung. inmediaONE] hat mit dem Neuen Testament sowie dem so genannten Pentateuch, er umfasst die fünf Bücher Moses und das Buch Josua, gleich zwei herausragende alte Bibel-Handschriften aus der Werkstatt Matthäus Merians faksimilieren lassen." Noch ein Wort zum Begriff "Faksimile" Es handelt sich bei dem "Faksimile" des Neuen Testaments aus dem Besitz der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart nicht um ein sog. "Vollfaksimile", das lohnt sich bei einem Druck nur selten, sondern um einen faksimileartigen Reprint, der 1984/85 im Einvernehmen mit der besitzenden Bibliothek folgendermaßen hergestellt wurde: Zudem erübrigt sich nach dem Druck jede Art von Handarbeit, z.B. gibt es keine zusätzliche Vergoldung! Die Farbigkeit der beiden Exemplare im Vergleich ... Zur Illustrationsgeschichte und zum theologischen Hintergrund der Luther-Bibel von 1630 erschien als Begleitbuch der Faksimileausgabe folgender Titel: Stefan Strohm: Die Kupferbibel Matthäus Merians von 1630. - Stuttgart : Müller & Schindler, 1985. - 83, 7 S. Eberhard Zwink
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