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Schönsperger-Bibel 1487 - 11. vorlutherische Bibel

Augsburg

Blatt aus der Schönsperger-Bibel von 1487 aus dem 1. Buch Mose (Genesis = Geschöpff). Sammlung Bibelausstellung von Alexander Schick

 


Biblia Germanica

Schönsperger-Bibel

gedruckt von

Johann Schönsperger d. Ä.

1487 Augsburg

11. vorlutherische deutsche Bibel

- zweite "Haus- & Familienbibel" -

 

 

Biblia, deutsch. Mit deutschen Tituli psalmorum.
Augsburg: Johann Schönsperger, 25. Mai 1487
Blattmaße ca. B 21 x H 30, 5 cm

 

 

Aus dem Katalog von Ketterer Kunst

 

"Aus der Werkstatt des Augsburger Druckers J. Schönsperger d. Ä. stammen zwei Bibeldrucke in deutscher Sprache. In den Jahren 1487 und 1490 druckte er nach der Koberger-Bibel als Vorlage zwei kleinformatige Ausgaben .. Schönsperger kam bei besserer Papierausnutzung mit weniger Aufwand zurecht und konnte dadurch die Preise anderer Drucker unterbieten. Daß er den Typus des populären Hausbuches, der Familienbibel, ansteuerte, kam dem Wunsch der Käufer sehr entgegen .. Schönsperger ließ die Illustrationen der Nürnberger-Bibel in verkleinertem Maßstab nachschneiden. Aber im Gegensatz zu den Nachschnitten Grüningers in Straßburg (1485) hält sich der Schönspergersche Holzschneider konsequent an die Vorlagen (Eichenberger/Wendland)."

 

Folgender Text zum Teil entnommen aus dem Katalog: "Gottes Wort in der Sprache des Volkes", Katalog der gemeinsamen Ausstellung  der Bibliothek der Stiftung Staatl. Görres-Gymnasium Koblenz, der Stadtbibliothek Koblenz, der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier und des Bistumsarchivs Trier, Trier, 2017, S. 30.

 

Mit dieser elften hochdeutschen Bibelausgabe hatte der Augsburger Drucker Johann Schönsperger d. Ä. (tätig 1481 bis 1520) eine weniger zahlungskräftige Käuferschicht im Auge. So ist es wohl kein Zufall, dass die Vorbesitzer des Koblenzer Exemplars Klöster von Bettelorden gewesen sind. Das Format ist gegenüber zum Beispiel der Zainer-Bibel wesentlich kleiner, das Papier von geringerer Qualität. Vorlage war die besonders prachtvolle Koberger-Bibel, deren Text auf der Zainer-Bibel beruht.

 

Schönsperger ließ die Illustrationen der Koberger-Bibel (bei der die Holzstöcke der Kölner Bibeln wiederverwendet wurden) in kleinerem Format nachschneiden. 1490 druckte er eine zweite Auflage in nochmals verkleinertem Format. Danach dauerte es fast zwei Jahrzehnte bis die nächste, die 13. und vorletzte der hochdeutschen Bibeln vor Luther, erschien, gedruckt von Joh. Ottmar, Augsburg 1507. 

 

Die 109 Illustrationen sind nicht gleichmäßig über die biblischen Bücher verteilt, son-dern konzentrieren sich in den historischen und apokalyptischen (Dan, Offb) Büchern. Dagegen enthalten die Weisheits-, die Prophetenbücher und die beiden Makkabäer-bücher weder Textholzschnitte noch Autorenbilder.

 

In allen Büchern jedoch sind die Kapitelanfänge durch kleinere schwarzgrundige florale Zierinitialen hervorgehoben, die Anfänge der Bücher und der Vorreden durch größere quadratische Maiblumen-Initialen im Ausmaß von etwa acht Druckzeilen.

 

Bei den Evangelien findet sich am Anfang jeweils ein Portrait des Evangelisten zusam-men mit seinem Symbol (Engel, Löwe, Stier, Adler) und der Illustration eines zentralen Themas des Buches: bei Matthäus der Stammbaum Jesu, bei Markus die Auferstehung Jesu (mit Simson im Hintergrund), bei Lukas das Weihnachtsgeschehen (Geburt im Stall, Darstellung im Tempel, Anbetung der Könige) und bei Johannes die Dreifaltigkeit. Die Briefe der Apostel (einschließlich des apokryphen Laodizenerbriefs zwischen Gal und Eph) und die Apostelgeschichte sind ganz ohne bildliche Zugaben.

 

 

In öffentlichen Bibliotheken sind nur 39 (oft unvollständige) Ausgaben nachweisbar, sowie ein Exemplar im Bibelmuseum Wuppertal. Eine sehr, sehr seltene vorlutherische Bibel.

Mir ist kein einziges Exemplar in einer deutschen Privatsammlung bekannt. Lediglich Einzelblätter.

Christies verkaufte 1998 ein Fragment für 10.000.- €

 

Diese Bibel --> DIGITAL

 

Besitznachweis Inkunabelseite British Library

Gesamtkatalog der Wiegendrucke

 

 

GW 4306. - Hain 3140. - Goff B 635. - BSB B-493. - Schreiber 3464. - Ges. für Typenkunde 490. - Bibelslg. Württ. Landesbibl. E 29. - Eichenberger/Wendland 1983, 110–118. Nicht im BMC.