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Täufertestament 1737

 

SELTENE AUSGABE DER TÄUFER

 

Das Gantz Nüw Testament Unsers Herrn Jesu Christi

Recht grundlich vertütschet.

 

 

Druckort lt. Titel Frankfurt / Leipzig 1737

 

 

 

Die Täufergruppen zogen die Froschauer-Bibel von 1536 auch anderen Übersetzungen (wie z.B. der von Luther) vor. Bis heute benutzen besonders strenge Gruppen der Hutterer, Amish und Mennoniten in den USA diese Bibel. Von der Ausgabe 1536 wurden daher mehrmals Nachdrucke (1744) erstellt bis in die Gegenwart hinein.

 

Doch der Druck einer Gesamtbibel war sehr teuer und so wundert es nicht, dass vom Neuen Testament, basierend auf der Forschauer-Bibel, zwölf Drucke erschienen sind. Sie werden als "Täufertestamente" bezeichnet. Die Besonderheit dieser Ausgaben: Sie bieten den Text eines Forschauers NT, das in der 2. Auflage der Bibel von 1536 Niederschlag fand. Auch wenn es weitere Revisionen der Froschauer-(Zürcher-)Bibel gab, diese wurden von den Täufern aus inhaltlichen Gründen abgelehnt.

 

Dazu Dr. Urs Leu, Leiter der Abteilung Alte Drucke an der Zentralbibliothek Zürich und einer der führendsten Experten in Sachen Täufertum:

 

Es bedarf weiterer Forschungsarbeit, um genauere Aussagen machen zu können, welche Froschauer-Bibel oder welches Froschauer-NT jeweils als Vorlage diente. Allen gemeinsam ist u. a., dass sie in Apostelgeschichte 7,6 die Aufenthaltsdauer Israels in Ägypten mit 430 Jahren anstatt, wie es richtig wäre, mit 400 Jahren wiedergibt, ein Fehler, der in Zürich erst im Zusammenhang mit der erwähnten Bibelrevision von 1539 korrigiert wurde. Somit haben alle täuferischen Nachdrucke eine Froschauer-Bibel bzw. ein Froschauer-NT zum Vorbild, das vorher gedruckt worden ist. Zu den in unterschiedlicher Kombination auftretenden typischen Erkennungsmerkmalen von Täufertestamenten gehören zudem: Der Wortlaut der Titelei ist gleich oder ähnlich wie bei dem Froschauer-NT. Auf dem Titelblatt findet sich die Druckermarke der Basler Druckerei Brylinger (drei Löwen mit Sanduhr) in Verbindung mit dem Druckort Basel oder Frankfurt und Leipzig, und das „Vaterunser“ aus Matthäus 6 verfügt an drei Stellen über einen speziellen Wortlaut, der in keinem Froschauer-NT anzutreffen ist.

  Anstelle von „Dein Reich komme“ ist zu lesen „Zukum uns dein reych“, „führe uns nicht in Versuchung“ wird passivisch ausgedrückt „lass uns nit ingefuehrt werden in versuchung“ und die Doxologie „denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ fehlt. Trotz der Bemühungen verschiedener Autoren kann nicht beantwortet werden, woher diese eigenartige Version des Herrengebets kommt. Eigenartigerweise findet sie sich bereits im 1503 in Basel gedruckten Manuale curatorum predicandi von Ulrich Surgant (f. 80r): „Vatter unser / der du bist in himeln / geheiliget wird din nam. Zu kumm uns din rych. Din will geschech als imm himel und imm erdrych. Unser teglich brot gib uns hüt. Und vergib uns unser schulden / als und wir vergeben unseren schuldeneren. Und nit laß uns ingefuert werden in versuchung. Sunder erloeß uns von übel: Amen.“

 

  Das erste Täufertestament, das alle drei genannten Merkmale des „Vaterunsers“ vereinigt, stellt das 1579 in der Basler Druckerei von Nikolaus Brylingers Erben erschienene NT in Sedez dar. Von diesem seltenen Büchlein sind zwei Exemplare bekannt, das eine befindet sich im Besitz der UB Basel und das andere in der Mennonite Historical Library in Goshen (Indiana). 1588 erschien bei Leonhart Ostein ein textlich weitgehend identisches NT. Ostein benutzte als Nachfolger Brylingers dessen Druckermarke weiter. Von diesem NT in Sedez ist nur das Exemplar der UB Basel bekannt. 1599 veröffentlichte Ludwig König in Basel ein weiteres Täufertestament, ebenfalls in Sedez, von dem weltweit drei Stück beschrieben worden sind. Aus der Korrespondenz zwischen dem Basler und dem Berner Rat von 1730 geht hervor, dass auch 1647 ein Basler Nachdruck eines Froschauer-Testaments erschienen sein soll, doch konnte bis heute kein entsprechender Druck entdeckt werden.

 

  Weit bekannter ist das Täufertestament in Oktav, das auf Kosten des Buchbinders Hieronymus Schwarz von Hans Jacob Werenfels 1687 in Basel gedruckt worden ist und das dem Basler NT von 1579 sehr nahe steht. Während der Seitenumbruch bei beiden identisch ist, unterscheiden sie sich geringfügig in Orthographie, Parallelstellen und Zeilenfall. Von den 1000 gedruckten Exemplaren sind nur noch vier greifbar. Drei befinden sich in der Schweiz, nämlich in der Stadtbibliothek Zofingen, im Täuferarchiv von Jeanguisboden sowie in der Zentralbibliothek Zürich und eines in der New York Public Library. Einen weiteren Nachdruck in Oktav veröffentlichte Johann Jakob Genath 1702 in Basel. Vorlage war nach einer Stellungnahme Genaths gegenüber dem Rat ein von Froschauer gedruckter Bibeltext in Quarto. Die Auflage belief sich auf 1500 Stück, jedoch ist nur ein Exemplar erhalten geblieben (in Privatbesitz, als Dauerleihgabe einsehbar in der Mennonite Historical Library, Goshen College, Indiana).

 

Drei weitere Täufertestamente erschienen ohne Druckort und -jahr, eines mit 755 Seiten, eine anderes mit 684 Seiten und schließlich eines mit 550 Seiten. Möglicherweise entspricht eine dieser Ausgaben dem Täufertestament, das der Basler Drucker Hans Conrad von Mechel ohne Angabe von Ort, Drucker und Jahr herausgab und das die Berner Behörden 1730 beschäftigte, war doch derartige Sektenliteratur auf ihrem Territorium verboten. 1737 [SIEHE ABBILDUNG OBEN], 1790 und 1825 [SIEHE ABBILDUNG OBEN] wurden weitere Nachdrucke von Froschauer-Testamenten veröffentlicht, die auf dem Titelblatt die Druckermarke Brylingers und die Angabe des Druckorts „Frankfurt und Leipzig“ kombiniert aufweisen. In diesen beiden Städten fanden alternierend die wichtigsten Buchmessen des deutschsprachigen Raumes statt, so dass diese Druckortangabe wohl lediglich davon ablenken wollte, dass es sich hierbei um verbotene oder mindestens regional verbotene Literatur handelte. Das Wasserzeichen (Basler Bischofsstab) deutet darauf hin, dass auch diese „Frankfurt und Leipzig"-Testamente in Basel gedruckt worden sein könnten. Exemplare der undatierten sowie der 1737, 1790 und 1825 gedruckten Täufertestamente sind sowohl in schweizerischen wie auch nordostamerikanischen Bibliotheken nicht selten anzutreffen.

 

   Die Nachfrage nach Froschauer-Testamenten blieb auch in der Neuen Welt bestehen, weshalb 1787 in der Druckerei des radikalpietistischen Klosters Ephrata, das vom umstrittenen deutschen Mystiker Conrad Beissel gegründet worden war, ein NT erschien, das sich im Kolophon als Nachdruck eines Froschauer- bzw. Täufertestaments zu erkennen gibt: „Vormals verschiedene mal gedruckt zu Zuerch [sic!], Basel und Frankfurt und Leipzig; jezt aber in Ephrata auf kosten der Brueder, Jm Jahr 1787.“

 

  Über die Auftraggeber und die Motive, die zu diesem Druck führten, können nur Vermutungen angestellt werden. Es ist auch nicht bekannt, welcher Text als mögliche Vorlage gedient haben könnte. Zudem ist es das einzige deutsche Täufertestament, das über eine Verszählung verfügt, was sonst nur von holländischen Täufertestamenten ab 1558 bekannt ist. Das Ephrata-Testament ist in den Bibliotheken Europas selten anzutreffen. In der Schweiz besitzt lediglich die Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek Bern ein unvollständiges Exemplar, wohingegen in den USA über zwanzig Stück nachgewiesen sind.

 

 

 

    2026 konnte ich zwei seltenen Täufertestamente (1737 und 1825) nach jahrzehntelanger Suche von einem Schweizer Bibelsammler erwerben. Von dem Druck 1737 sind in der Schweiz drei Exemplare in den Universitätsbibliotheken von Bern, Basel und in der Zentralbibliothek Zürich nachgewiesen. In Deutschland sind zwei Exemplare erhalten, eines davon nun in der Bibelausstellung Sylt.

 

   Der Druckort Frankfurt und Leipzig war zur Irreführung der Täuferjäger gedacht und sollte den Drucker schützen. Der Druck erfolgte wohl in Wiklichkeit in Basel bei Johann Conrad von Mechels Witwe. In der Schweiz war die Froschauer-Bibel als "Sektenliteratur" verboten. Mit der irreführenden Angabe Frankfurt und Leipzig wurden zudem "Zollgebühren" vermieden, die für ausländische Buchdrucke bei Buchmessen in Frankfurt und Leipzig erhoben wurden.

 

 

 

  Mehr zur faszinierenden Geschichte der Froschauer-Bibel bei den Täufergemeinden ---> siehe hier!

 

Empfehlenswerte Literatur: Die Froschauer-Bibeln und die Täufer

 

Zur Bedeutung der Drucke in den USA --> siehe hier!