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1620 - Die Piscator Bibel - eine eigenständige neue Übersetzung aus Herborn

Die "Elberfelder-Bibel" der ReformiertenPiscator Bibel 1620 Herborn

Faksimile der Piscator-Bibel aus Herborn

 

 

Piscator-Bibel 1620

„Straf-mich-Gott-Bibel“

 

Die deutschen Calvinisten (Reformierten) benutzten ursprünglich die Luther-Bibel, die mit zusätzlichen Erläuterungen oder Ergänzungen versehen war. So entstanden 1568 die Heidelberger und 1571–1591 die Neustädter Bibeln.

 

Die theologischen Gegensätze zwischen Lutheranern und Calvinisten (Abendmahlsstreit / Prädestinationslehre) forderte jedoch eine vollständige Bibelübersetzung in calvinistischem Sinne. Vor diesem Hintergrund entschied sich der reformierte Herborner Theologe Johannes Piscator (1546-1625), die erste eigenständige reformierte Bibelübersetzung anzufertigen.

 

Von 1602-1604 übersetzte er mit großer philologischer Genauigkeit die gesamte Bibel. Sie ist die dritte vollständige Übertragung nach der Luthers und der Zürcher Bibel. Man kann sie als die "Elberfelder Bibel der Reformation" bezeichnen.

 

In der Republik Bern, am Niederrhein und in anderen reformierten Gebieten war diese Übersetzung lange Zeit im kirchlichen Gebrauch. In Bern war die Piscatorbibel von 1684 bis Ende des 18. Jahrhunderts „Staatsbibel“, d.h. die vom Staat herausgegebene und verordnete Übersetzung.

 

Wegen Piscators Übersetzung von Markus 8,12 „ich sage euch: Wann diesem Geschlechte ein Zeichen wird gegeben werden, so strafe mich Gott“ nannten die Lutheraner seiner Zeit diese Bibel spottend „Straf-mich-Gott-Bibel“ und bekämpften sie heftig.