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Kürfürstenbibel oder Weimarer Bibelwerk

1613 bis 1792

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Die Luther-Bibeln der Druckerei Endter, Nürnberg

Von 1613 bis 1792 wurde in Nürnberg die sog. Endter-Bibel gedruckt, also beinahe 2 Jahrhunderte lang! Die großformatigen Folioausgaben wurden in den Kirchen zum Vorlesen und in den vermögenderenden Häusern als Familienbibel benutzt. Auch der Bauer auf dem Hof hat am Sonntag dem Gesinde daraus vorgelesen.

 

Bei Autkionen sind die Bibeln der Endter-Druckerei immer wieder anzutreffen. Neben den Canstein-Bibeln ist es die am meisten verbreiteste und erhaltene Lutherbibel aus dem 17. und vor allem 18. Jahrhundert.

 

Obwohl Nürnberg ausserhalb des sächsichen Reiches lag, liessen die sächsischen Herzöge ihre repräsentativen Bibel jenseits der eigenen Grenzen drucken und vertreiben. Wie kam es dazu?

 

 

 

„Kurfürstenbibel“

 

Der 30jährige Krieg hatte nicht nur Deutschland verwüstet, sondern auch unzählige Handschriften aus den Klosterbibliotheken und Bibeln waren auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Die Bibel, das einst meist verbreitete Buch in Deutschland, wurde zur Mangelware. Da fasste noch im Krieg Herzog Ernst von Sachsen-Weimar (später benannt als Herzog Ernst der Fromme) den Plan, die Bibel in einer besonderen Ausgabe unter das Volk zu bringen. Es wusste, dass in den Schrecken dieses brutalen und grausamen Religionskrieges nur die Heilige Schrift tröstende Worte spenden kann.

 

  Der Herzog rief dreißig führende Theologen zusammen, die eine Revision der Luther-Übersetzung durchführten. Den Text der letzten Ausgabe von 1545 („Ausgabe letzter Hand“) änderten sie aber nicht, sondern sie vermerkten die Korrekturen in den sog. Glossen (Anmerkungen). Die Ausstattung und Kommentierung der Bibel übernahmen Professoren der Universität Jena. Als Herausgeber fungierten die Theologen Johannes Gerhard (1582-1637) und Salomon Glassius (1593-1656), später auch der Nürnberger Pfarrer Johann Michael Dilherr. Damit der einfache Christ die Worte der Bibel recht verstehen konnte, verfassten die Theologen Erklärungen, die den Wortsinn der Heiligen Schrift erklären sollten. Obwohl diese Kommentare sehr kurz und prägnant gehalten waren, wurde die Bibel eine imposante Ausgabe, die über 12 kg wiegt.

 

   Den Namen „Kurfürstenbibel“ bekam diese Ausgabe, da großformatige Kupferstiche die sächsischen Kurfürsten und Herzöge der Ernestischen Linie von Friedrich d. Weisen bis Bernhard d. Großen zeigen. So wurde diese Bibelausgabe auch zu einer Ahnengalerie der Ernestinischen Linie Sachsens, die bis 1547 drei Kurfürsten gestellt hatte. Von da an waren die Ernestiner allerdings "nur noch" Herzöge, dennoch blieb der Name Kurfürstenbibel bestehen.

 

   Nach Weimar, dem Wohnort des Herzogs von Sachsen, wird diese Bibel auch als „Weimarer Bibelwerk“ oder nach dem Stammbaum der Kurfürsten und Herzöge auch als das „Ernestinische Bibelwerk“ bezeichnet. Die Kurfürstenbibel hat keine Bilder im Bibeltext, sondern zahlreiche erklärende ganzseitige Kupferstiche und Zwischentitelblätter, die den Inhalt illustrieren sollen. Die Erstausgabe dieser teuren und wuchtigen Bibel erschien 1641. Bis zum Jahr 1768 sollen 13 weitere Auflagen – in immer wieder geänderter Aufmachung - folgen. Ursprünglich sollte diese Bibel im Sternenverlag in Lüneburg erscheinen, doch dann bekam die Endter-Druckerei den Zuschlag.

 

 

Die „Dilherr-Bibel“

 

Wolfgang Endter der Ältere brachte ab 1656 auch noch eine preiswerte Ausgabe in einem kleineren Folioformat heraus, die als „Dilherr-Bibel“ bezeichnet wird, da der Nürnberger Pfarrer Johann Michael Dilherr (1604-1669) für diese Ausgabe die Verantwortung trug. Diese Dilherr-Bibel wurde ein unglaublicher Erfolg und der wohl erste „Longseller“ der Buchgeschichte! Von 1656 bis 1788 erschienen mindestens 29 Auflagen! Diese Bibel eignete sich nicht nur zum Vorlesen sondern war auch ein Bilderbuch, da viele Holzschnitte (bei einigen Drucken auch Kupferstiche) in voller Breite in den zweispaltigen Bibeltext abgedruckt wurden.  Das Papier dieser Bibeln fasst sich allerdings sehr weich und lappig an. Es war leider ein sehr billiges und einfaches Papier, das heute die Buchrestauratoren vor große Probleme stellt. Viele dieser Dilherr-Bibeln sind daher nur in schlechtem Zustand erhalten.

 

 

Die „kleine“ Kurfürstenbibel

 

Die Endter-Druckerei erkannte allerdings, dass viele gerne eine Kurfürstenbibel haben würden, aber der Preis war zu hoch. So konnte ein Käufer einer Dilherr-Bibel – wenn er es sich leisten konnte - auch noch die Kupferstich-Lagen mit den 11 sächsischen Kurfürsten und Herzögen dazukaufen und binden lassen. So hatte er damit eine „kleine“ wesentlich billigere Kurfürstenbibel.

 

 

Die „Fegfeuerbibel“

 

Die  vierte Auflage dieser Dilherr-Bibeln von 1670 wird wegen einer absichtlichen Fälschung auch als „Fegfeuerbibel“ bezeichnet. So liest man in dieser Bibel im 23. Vers des Judasbriefes: „und rücket sie aus dem Fegfeuer“. Anscheinend hat sich hier ein katholischer Setzer einen Spaß erlaubt!

 

 

Wenn Sie mehr wissen wollen ...

 

Die Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek ist wohl weltweit die einzige Bibliothek, die alle Kurfürsten- und Dilherr-Bibeln besitzt. Weitere Informationen zu der Geschichte der Endter-Bibeln finden Sie auf der Webseite der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek.