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Die Schweizer und ihre eigene Vollbibel im Druck

1531 erscheint die berühmte Froschauer-Bibel

Biblia Germanica 1531 / Froschauer-Bibel

Die gantze Bibel der ursprünglichen Ebraischen und Griechischen waarheyt nach, auffs treüwlichest verteütschet.

Getruckt zuo Zürich, bey Christoffel Froschouer, im Jar als man zalt. (1531)

 

Bereits 1517 hatte Adam Petri die 95 Thesen Luthers in Basel nachgedruckt. Eine wahre Flut von Lutherschriften ergoss sich von Basel aus in alle Teile Europas. Basel wurde in den 20'er Jahren des 16. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Publikationszentren von Lutherschriften. Von 1518 bis 1527 zählte man in der Schweiz 170 Veröffentlichungen des deutschen Reformators!


Dennoch wurde Basel keine Lutherstadt. Die Schweizer Reformatoren konnten sich mit Luther in der Frage des Abendmahls nicht einigen. Außerdem ist das Schweizerdeutsch mit seiner alemannischen Mundart doch sehr unterschiedlich zum Lutherdeutsch. 1524 wurde zunächst das Luther-NT nachgedruckt, allerdings schon mit Angleichung an die alemannische Mundart durch den Zürcher Reformator Huldrych Zwingli (1484-1531). So entstand eine Neuübertragung.

 

Dies zeigt ein Vergleich von 1. Korinther 13,4:
Luther 1522 [= Basel 1523]: «Die liebe ist langmutig und freuntlich, die liebe eyffert nicht ...»

 

Zürich (Froschauer 1524): «Die liebe ist dultmütig und früntlich, die liebe yfert nit ...»

 

Als die Übersetzung der Propheten durch Luther sowie die Apokryphen zu lange auf sich warten ließen, bereitete man in Zürich eine «kombinierte» Bibel (siehe PDF) vor, d.h. man mischte die Bibelübersetzungen. Der Text im schweizerischen Deutsch stellt zum grössten Teil (im AT von 1.Mose bis zum Hohelied) eine Revision der Lutherübersetzungen dar. Das war alles, was von Luther bis 1529 in Einzelteilen veröffentlicht worden war. Der zweite Teil des AT (Jesaja bis Maleachi) wurde von Zürcher Predigern übersetzt, die Apokryphen von Leo Jud. Dabei enthielten die Apokryphen (sog. «verborgene» Bücher = Schriften, die nicht zum Bibelkanon gehören) auch das 3. und 4.Buch Esra und das 3. Buch der Makkabäer, die Luther nie in seinen Bibelübersetzungen aufgenommen hatte.

 

      Von 1523-1529 erschienen bei Christoph Froschauer in Zürich (*um 1490 vermutlich in Kastl bei Altötting; † 1. April 1564 in Zürich) in schneller Folge Einzelausgaben, die 1529 mit den Übersetzungen der Propheten und der Apokryphen (diese von Leo Jud erstellt) abgeschlossen war. Diese Einzelausgaben konnte man sich zu einem Band zusammen binden lassen und man hatte so eine komplette Bibel. Es war damit die erste vollständige Bibel in deutscher Sprache, die aus den Ursprachen übersetzt wurde. - und dies bereits fünf (!) Jahre vor Luthers Vollbibel von 1534. Dem Wunsch der Kunden folgend, veröffentlichte Froschauer 1530 eine erste Vollbibel - allerdings war dies eine reine Textausgabe.

 

 

Die prachtvolle Folioausgabe von 1531

 

1531 erschien dann die weltberühmte «Froschauer-Bibel» auch unter dem Namen «Zürcher Bibel» (NICHT «Züricher Bibel»!) bekannt, die eine neue Übersetzung der Lehrbücher enthielt und sich durch sprachliche Eigenständigkeit auszeichnete. Dieser Druck wird oft als Erstausgabe der Zürcher Bibel bezeichnet. Es ist die erste Folioausgabe, in prachtvoller Ausstattung mit einer Vielzahl von Holzschnitten.


Diese Folioausgabe ist die «Frucht gemeinsamer, ernster Zusammenarbeit der Zürcher Theologen und Sprachforscher, unterstützt durch den Eifer des kunstsinnigen Druckerherrn, der keine Mühe und Kosten scheute, ein vorbildliches Werk zu schaffen» (Paul Leemann-van Elck, Die Offizin Froschauer, Zürichs berühmte Druckerei im 16. Jahrhundert, Zürich / Leipzig 1940, S. 64).

 

Die Unterschiede zwischen der Luther- und der Zürcher-Bibel soll verdeutlicht werden an Hebräer 11,1:


Luther 1522:

«Es ist aber der glawbe eyn gewisse zuovorsicht des das zu hoffen ist vnd richtet sich nach dem / das nicht scheynet»
 

Zürich 1531:

«Es ist aber der glaub ein gewüße zuoversicht deß das ze hoffen ist: ein klaare offenbarung / ja ein gewüße ergreyffung deren dingen die man nit sicht»


Zu Ende des Reformationsjahrhunderts hatte die Zürcher Bibel ihren eigenen Charakter gefunden. Es handelte sich nicht mehr um eine Revision der Lutherbibel, sondern um eine eigenständige Ausgabe, wobei die Reihenfolge der biblischen Bücher eine andere war als in der Lutherbibel. In den folgenden Jahrhunderten ist der Text der Zürcher Bibel immer wieder revidiert worden. Im 16. Jahrhundert wurden ca. 200.000 Bibeln und Bibelteile durch Forschauer in der Schweiz gedruckt

 

Von der Ausgabe 1531 sind nur wenige Exemplare erhalten.

 

Einen ausgezeichneten Artikel über diese Froschauer Bibel von Dr. Hans Lavater-Briner finden sie hier als PDF

 

Die Bibelausstellung Sylt zeigt in ihrer Sammlung ein Fragment / Teilstück dieser berühmten Schweizer Bibel von 1531 und zwar in einer kolorierten Ausgabe - das einzige Exemplar in Deutschland! (weltweit sind nur noch 4 kolorierte Exemplare erhalten, davon zwei in der Schweiz, eins war in Deutschland - Sammlung Schäfer, wurde ins Ausland verkauft - und eins in  Kanada).

 

Ausgestellt ist zudem auch eine seltener Druck des Neuen Testaments (Latein/Deutsch) von 1535 aus der Druckerei Froschauer.

 

Von 1580 ist ein Foliant ausgestellt und außerdem liegt eine Zürcher Bibel von 1638 (Folio / Teilstück) aus.

 

Besondere Bedeutung erhielt die 2. Auflage der Froschauer-Bibel von 1536 durch ihre hohe Wertschätzung in den Täufergemeinden ---> siehe hier

 

 

Über die Ausgabe von 1531 urteilt der Spezialist für die Forschauer-Drucke, Leemann-van Elck:

 

"Im Mai 1531 veranstaltete Froschauer die für längere Zeit textlich sowie typographisch und illustrativ bedeutendste Ausgabe in Folio, die eine lange Reihe illustrierter Foliobibeln eröffnet und ein hervorragendes Erzeugnis der Buchdruckerkunst darstellt."

 

"Das Buch Job (Hiob), die Psalmen, die Sprichwörter, der Prediger und das Hohelied sind ganz neu bearbeitet. In den historischen Büchern und besonders im Neuen Testament ist dagegen die Fassung Luthers noch wesentlich beibehalten."

 

Für die Schweizer besonders nett ...

Der letzte Holzschnitt der Bibel in Offenbarung 21 (Blatt CCCXXI = 321) zeigt als Himmlisches Jerusalem die Stadt Luzern! Die 21 Holzschnitte in der Offenbarung stammen von Holbein d.J., der zu der Zeit mit seinem Vater in Luzern lebte.

 

Im Grossmünster in Zürich gibt es die beeindruckende Dauerausstellung «Getruckt zů Zürich». Hier kann man eine einzigartige Sammlung von Froschauer-Drucken bestaunen!